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FORTUNA WILL GEGEN STUTTGART II ENDLICH DEN ERSTEN DREIER
Freitag, 28. August 2026 | 19:00 Uhr | MERKUR SPIEL-ARENA
Drei Pflichtspiele, drei Niederlagen – irgendwann muss Schluss sein mit den guten Ansätzen, Erklärungen und dem Hinweis darauf, dass diese nahezu komplett neu zusammengestellte Fortuna noch Zeit benötigt. Am Freitagabend gegen den VfB Stuttgart II geht es nicht um eine Vorentscheidung über die Saison und schon gar nicht um ein Endspiel. Aber es geht um etwas, das diese Mannschaft jetzt dringend braucht: ein Erfolgserlebnis. Nach dem 1:2 in Mannheim, dem enttäuschenden 0:2 gegen Hoffenheim II und dem 1:5 im Pokal gegen Freiburg wartet Düsseldorf noch immer auf den ersten Sieg. In der Liga stehen nach zwei Spieltagen null Punkte und 1:4 Tore. Gegen Stuttgart II muss Fortuna deshalb endlich anfangen, aus Aufwand auch Ertrag zu machen.
Dass Düsseldorf dabei keineswegs vor einer unlösbaren Aufgabe steht, zeigt der Blick auf den Gegner. Stuttgart II reist mit drei Punkten an den Rhein, gewann zum Auftakt spektakulär mit 3:2 in Havelse und verlor anschließend zu Hause 1:3 gegen Viktoria Köln. Trainer Nico Willig verfügt über eine junge, technisch starke Mannschaft, die gerne selbst Fußball spielt und mit Spielern wie dem 1,93 Meter großen Tim van der Leij durchaus offensive Qualität besitzt. Der 20-Jährige kam nach 17 Toren in der vergangenen Saison aus den Niederlanden und traf bereits beim Auftaktsieg. Gleichzeitig ist die junge Stuttgarter Mannschaft verwundbar: Nach zwei Spielen stehen bereits fünf Gegentreffer zu Buche, zudem weist der VfB laut Fortuna mit knapp 45 Prozent die bislang schwächste Zweikampfquote der gesamten 3. Liga auf. Genau dort muss Düsseldorf ansetzen.
Denn Fortunas Problem ist bislang keineswegs fehlende Bereitschaft. Mit 242,4 abgespulten Kilometern führen die Rot-Weißen nach zwei Spieltagen sogar die Laufstatistik der Liga an. Das klingt zunächst beeindruckend, beschreibt aber gleichzeitig ziemlich gut das Dilemma: Viel laufen allein gewinnt keine Spiele. Fortuna muss schneller werden, wenn der Ball erobert ist, mutiger in die Tiefe spielen und vor allem wieder häufiger Situationen schaffen, in denen der Gegner tatsächlich verteidigen muss. Gerade gegen eine junge Mannschaft wie Stuttgart II wäre es aus unserer Sicht der richtige Moment, auch das Tempo und die Unbekümmertheit von Spielern wie Anas Slimani, Jordi Paulina oder Kilian Sauck stärker einzubinden. Wenn die Schwaben tatsächlich Probleme in den Zweikämpfen haben, sollte Fortuna sie genau dort beschäftigen, statt das Spiel mit endlosen Ballpassagen vor sich herzuschieben.
Personell muss Alexander Ende allerdings erneut reagieren. Kapitän Jorrit Hendrix fehlt nach seiner Roten Karte gegen Hoffenheim II gesperrt und wird auch beim anschließenden Stadtduell gegen Fortuna Köln nicht zur Verfügung stehen. Felix Meiser fällt mit seiner Meniskusverletzung weiterhin aus. Dafür steht mit Erik Wekesser ein neuer Mann bereit: Der 29-Jährige kam gerade ablösefrei vom 1. FC Kaiserslautern, bringt reichlich Zweitliga-Erfahrung mit und könnte der linken Seite zusätzliche Stabilität und Dynamik verleihen. Und dann ist da natürlich noch Louis Lord. Der 22-Jährige war beim 1:5 gegen Freiburg trotz der fünf Gegentreffer der große Düsseldorfer Lichtblick und hat mit seinen Paraden zumindest eine Diskussion darüber eröffnet, ob er nicht auch in der Liga seine Chance verdient hätte.
So schlecht die Stimmung nach den ersten Wochen auch sein mag: Es gibt durchaus Gründe, mit Zuversicht in diesen Freitagabend zu gehen. Stuttgart II ist keine Mannschaft, die sich mit zehn Spielern am eigenen Strafraum verbarrikadieren wird. Die Schwaben wollen Fußball spielen, und genau dadurch dürften sich Räume ergeben. Fortuna besitzt mehr Erfahrung, spielt zu Hause und sollte individuell genügend Qualität besitzen, um diese Partie zu gewinnen. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft endlich über 90 Minuten die notwendige Balance findet. Gegen Freiburg war die Haltung lange besser, bevor das Spiel in der Schlussphase völlig auseinanderfiel. Gegen Stuttgart darf genau das nicht noch einmal passieren. Fortuna muss konzentriert bleiben, Zweikämpfe gewinnen und vor allem das erste Tor erzwingen – denn nach den vergangenen Wochen wäre eine Führung vermutlich nicht nur auf der Anzeigetafel enorm wichtig, sondern auch für die Köpfe.
Auch die Vergangenheit darf ein wenig Mut machen. Erst zweimal standen sich beide Mannschaften in einem Pflichtspiel gegenüber, beide Begegnungen stammen aus Fortunas letzter Drittliga-Saison 2008/09. In Stuttgart gewann Düsseldorf damals mit 4:0, das Rückspiel endete 1:1. Das bedeutet für Freitag natürlich überhaupt nichts, passt aber irgendwie zu dem Gefühl, mit dem wir in dieses Spiel gehen sollten: Stuttgart II ist ein Gegner, den Fortuna nicht unterschätzen darf – vor dem sie sich aber ganz sicher auch nicht verstecken muss.
Vielleicht braucht diese Mannschaft gerade gar keine große taktische Revolution. Vielleicht braucht sie einfach einen Abend, an dem ein frühes Tor fällt, ein paar Dinge funktionieren und aus Verunsicherung wieder Selbstvertrauen wird. Die Arena wird nach den vergangenen Ergebnissen sicherlich genauer hinschauen, aber sie wird genauso schnell da sein, wenn die Mannschaft sie mitnimmt. Dafür braucht es keine großen Versprechen. Es braucht Tempo, Mut, Konsequenz – und endlich einmal das Gefühl, dass Fortuna ein Spiel selbst in die Hand nimmt.
Die Chance auf den ersten Dreier ist da. Mehr als das: Fortuna geht trotz des Fehlstarts als Mannschaft in dieses Heimspiel, von der man erwarten darf, dass sie Stuttgart II schlägt. Jetzt muss sie auf dem Platz zeigen, warum.
Freitagabend. Heimspiel. Flutlicht. Zeit, dass diese Saison endlich beginnt.
Und sollte am Freitag wieder eine Nullrunde stehen, wird sich anschließend zwangsläufig die Frage stellen, wie lange Alexander Ende noch die notwendige Rückendeckung für diesen Neuaufbau besitzt.
Auf geht’s, Fortuna!
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