🔴⚪ MACHTKAMPF BEI FORTUNA? 🔴⚪
DIE FUNKEL-FRAKTION, ALEXANDER ENDE
UND DIE FRAGE, WER BEI F95 EIGENTLICH DEN KURS BESTIMMT
Zwei Spiele, zwei Niederlagen, null Punkte. Eigentlich gäbe es bei Fortuna Düsseldorf derzeit genügend sportliche Probleme, über die gesprochen werden müsste. Über eine Mannschaft, die nach dem Abstieg den direkten Wiederaufstieg anstrebt und davon an den ersten beiden Spieltagen erschreckend wenig erkennen ließ. Über Alexander Ende, seine Aufstellungen, seine Spielidee und die Frage, warum aus einem weitgehend neu zusammengestellten Kader bislang noch keine funktionierende Einheit geworden ist.
Doch inzwischen geht es offenbar um mehr.
Was BILD und EXPRESS rund um Fortuna berichten, zeichnet das Bild eines Vereins, bei dem die sportliche Krise möglicherweise nur die sichtbare Oberfläche eines viel grundsätzlicheren Konflikts ist. Es geht um Alexander Ende, um Friedhelm Funkel, um Entscheidungen aus dem vergangenen Frühjahr und vor allem um die Frage, ob innerhalb Fortunas tatsächlich alle Verantwortlichen dieselbe sportliche Richtung verfolgen.
Dabei ist eines vorweg wichtig: Wir wollen niemandem Absichten unterstellen, die sich nicht belegen lassen. Wir kennen die Namen der Personen nicht, die BILD einer sogenannten „Funkel-Fraktion“ zurechnet. Es gibt derzeit auch keinen belastbaren Hinweis darauf, dass Friedhelm Funkel selbst an irgendwelchen Aktivitäten gegen Alexander Ende beteiligt ist. Ebenso gibt es keinen Beleg dafür, dass eine Rückkehr Funkels unmittelbar bevorsteht.
Aber es gibt inzwischen genügend öffentlich bekannte Informationen, um Fragen zu stellen. Und einige davon sind ziemlich unangenehm.
Laut BILD sollen Teile des Aufsichtsrats bereits im Frühjahr lieber Friedhelm Funkel als Alexander Ende auf der Düsseldorfer Trainerbank gesehen haben. Nach dem Abstieg in die 3. Liga sollen Personen aus diesem Umfeld erneut deutlich gemacht haben, dass sie die damalige Entscheidung des inzwischen ausgeschiedenen Sportvorstands Sven Mislintat für falsch hielten.
Das allein wäre noch kein Skandal. In einem Aufsichtsrat darf gestritten werden. Unterschiedliche Auffassungen über Trainer, Sportvorstände oder die strategische Ausrichtung eines Vereins gehören sogar zu einem funktionierenden Kontrollgremium. Problematisch würde es allerdings dann, wenn eine einmal getroffene Entscheidung anschließend nicht mitgetragen, sondern im Hintergrund aktiv untergraben würde.
Und genau an diesem Punkt wird die Geschichte brisant.
Denn laut BILD soll die Kritik an Ende nicht erst nach dem erschreckenden 0:2 gegen Hoffenheim II begonnen haben. Bereits nach dem 1:2 zum Saisonauftakt in Mannheim soll es erhebliche Unruhe gegeben haben. Im Umfeld des Spiels ist von unschönen Szenen und lautstarken Vorwürfen gegen Mitarbeiter des Vereins die Rede. Anschließend soll aus dem Kreis der Funkel-Befürworter zunehmend Kritik an Ende verbreitet worden sein.
Noch schwerer wiegt ein weiterer Vorwurf. Während des Heimspiels gegen Hoffenheim II soll bereits das Gerücht kursiert sein, Alexander Ende könne bei einer weiteren Niederlage seinen Job verlieren. BILD ordnet auch dieses Gerücht dem Umfeld jener Personen zu, die Ende schon länger kritisch gegenüberstehen sollen. Zusätzlich ist davon die Rede, dass vermeintliche Interna aus der Kabine verbreitet worden seien, die geeignet wären, den Trainer weiter unter Druck zu setzen.
Sollte das stimmen, wäre eine Grenze überschritten.
Denn dann reden wir nicht mehr über die vollkommen legitime Frage, ob Alexander Ende der richtige Trainer für Fortuna Düsseldorf ist. Dann reden wir darüber, ob innerhalb eines Vereins unterschiedliche Lager versuchen, die öffentliche und interne Stimmung in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
Und plötzlich bekommt eine Entscheidung aus dem April wieder enorme Bedeutung.
Als Fortuna im Frühjahr mitten im Abstiegskampf einen neuen Trainer suchte, hätte kaum ein Name besser in das klassische Profil eines erfahrenen Retters gepasst als Friedhelm Funkel. Er kennt Fortuna, kennt Düsseldorf, kennt schwierige Situationen und besitzt bei einem großen Teil der Anhängerschaft bis heute einen beinahe legendären Status.
Funkel führte Fortuna 2018 zurück in die Bundesliga. Unter ihm erlebte der Verein anschließend eine der emotionalsten und sportlich erfolgreichsten Phasen der jüngeren Vergangenheit. Sein Name funktioniert in Düsseldorf deshalb anders als der irgendeines anderen Trainers. Wer Funkel sagt, löst etwas aus – bei Fans, im Umfeld und offenbar möglicherweise auch innerhalb des Vereins.
Sven Mislintat entschied sich im Frühjahr trotzdem bewusst für einen anderen Weg. Das war keine kurzfristige Notlösung, sondern eine strategische Entscheidung. Alexander Ende sollte nicht nur ein paar Wochen überbrücken oder irgendwie den Klassenerhalt retten. Er sollte entwickeln, eine klare Spielidee installieren und gemeinsam mit dem Verein etwas aufbauen.
Dafür erhielt Ende einen langfristigen Vertrag bis 2028, der ausdrücklich auch für die 3. Liga gelten sollte.
Fortuna entschied sich damit bewusst gegen die kurzfristige Feuerwehrmann-Lösung und für einen Trainer, mit dem ein neuer Weg eingeschlagen werden sollte. Schon damals war allerdings erkennbar, dass diese Entscheidung intern keineswegs unumstritten gewesen sein könnte. Der kicker berichtete bei Endes Vorstellung, dass für Mislintats Entscheidung innerhalb des Vereins durchaus Überzeugungsarbeit notwendig gewesen sei.
Vier Monate später bekommt dieser kleine Satz eine völlig neue Bedeutung.
Denn inzwischen ist Sven Mislintat nicht mehr da. Fortuna ist abgestiegen. Der Kader wurde massiv verändert. Der Start in die 3. Liga ist mit Niederlagen gegen Mannheim und Hoffenheim II komplett misslungen.
Und plötzlich ist Friedhelm Funkel wieder mitten in der Geschichte.
Nicht weil Funkel selbst öffentlich seine Rückkehr fordert, sondern weil sein Name offenbar nie ganz verschwunden war.
Dazu passt eine bemerkenswerte Aussage, über die EXPRESS berichtet. Autor Volker Geissler schildert ein persönliches Gespräch mit Funkel und fragte ihn, weshalb er im Frühjahr nicht noch einmal als Feuerwehrmann bei Fortuna eingesprungen sei. Funkel erklärte demnach, dass es durchaus Anfragen gegeben habe, aber ausgerechnet der Verein, dem er gerne geholfen hätte, ihn nicht gewollt habe. Nach Darstellung des EXPRESS ließ Funkel anschließend erkennen, dass Geissler sehr wohl wisse, welchen Verein er damit meinte.
EXPRESS interpretiert diese Aussage als Hinweis auf Fortuna Düsseldorf.
Auch daraus lässt sich selbstverständlich nicht ableiten, dass Funkel heute Alexander Ende ersetzen möchte. Es zeigt aber etwas anderes: Die Möglichkeit einer erneuten Zusammenarbeit zwischen Fortuna und Friedhelm Funkel war offenbar sehr viel mehr als irgendeine nostalgische Fantasie unter Fans.
Und genau deshalb ist der Begriff „Funkel-Fraktion“ so explosiv.
Denn Funkel steht in dieser Geschichte inzwischen für zwei völlig unterschiedliche Dinge. Da ist auf der einen Seite der ehemalige Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel, der nach allem, was bislang bekannt ist, selbst überhaupt nichts mit einem möglichen Vorgehen gegen Alexander Ende zu tun haben muss. Und da ist auf der anderen Seite der Name Funkel als Symbol für eine andere sportliche Entscheidung, die Teile des Vereins möglicherweise bereits im Frühjahr bevorzugt hätten.
Diese beiden Dinge dürfen nicht miteinander vermischt werden.
Wer Funkel heute zum Strippenzieher eines möglichen Machtkampfes erklärt, geht deutlich weiter als das, was sich derzeit belegen lässt. Wer allerdings so tut, als gäbe es überhaupt keine Geschichte, macht es sich inzwischen ebenfalls zu einfach. Dafür liegen mittlerweile zu viele Puzzleteile auf dem Tisch.
Schon im Frühjahr gab es offenbar unterschiedliche Vorstellungen darüber, welcher Trainertyp Fortuna aus der Krise führen sollte. Mislintat setzte sich mit Alexander Ende und einer langfristigen Lösung durch. Wenige Wochen später stieg Fortuna trotzdem ab. Mislintat musste gehen, Ende blieb und der Kader wurde für die 3. Liga nahezu neu aufgebaut.
Nun soll ausgerechnet jene alte Trainerfrage nach nur zwei Spielen erneut aufbrechen.
Dabei muss man Alexander Ende keineswegs von sportlicher Kritik freisprechen. Im Gegenteil. Was Fortuna gegen Hoffenheim II gezeigt hat, war für einen selbsternannten Aufstiegsanwärter erschreckend wenig. Nach dem Fehlstart in Mannheim hätte eine Reaktion kommen müssen. Stattdessen präsentierte sich eine Mannschaft, der über weite Strecken Ideen, Durchschlagskraft, Tempo und Selbstverständnis fehlten.
Alexander Ende ist Cheftrainer und trägt deshalb selbstverständlich Verantwortung.
Wir haben selbst nach dem zweiten Spieltag die Trainerfrage gestellt, allerdings ganz bewusst nicht mit der Forderung „Ende raus“. Denn seine Arbeit bei Fortuna lässt sich nicht auf zwei Drittligaspiele reduzieren. Ende übernahm einen Verein mitten in einer sportlichen Krise, konnte den Abstieg nicht verhindern und musste anschließend mit einer nahezu komplett veränderten Mannschaft einen Neuaufbau beginnen.
Das schützt ihn nicht vor Kritik. Aber es gehört zu einer fairen Bewertung dazu.
Und genau deshalb wäre es bemerkenswert, wenn innerhalb Fortunas bereits nach dem ersten Spieltag wieder grundsätzlich an seiner Position gearbeitet worden sein sollte. Denn dann müsste irgendwann zwangsläufig die Frage gestellt werden, welche Chance dieses Projekt eigentlich jemals hatte.
Ein Trainer kann eine Mannschaft nur entwickeln, wenn der Verein ihm die dafür notwendige Zeit zugesteht. Eine sportliche Führung kann nur dann eine Strategie umsetzen, wenn die entscheidenden Gremien diese Strategie zumindest grundsätzlich mittragen. Und ein Verein kann nur glaubwürdig von einem gemeinsamen Weg sprechen, wenn dieser Weg nicht bei der ersten Bodenwelle intern wieder infrage gestellt wird.
Vielleicht liegt genau hier der wichtigste Punkt dieser gesamten Geschichte.
Vielleicht hat Fortuna nämlich gerade nicht nur eine Trainerkrise. Vielleicht hat Fortuna ein grundsätzliches Problem in seiner Führung und in der Frage, wer innerhalb des Vereins eigentlich welche Richtung verfolgt.
Auch der EXPRESS beschäftigt sich inzwischen ausgesprochen kritisch mit den Strukturen an der Vereinsspitze und stellt Fragen nach Verantwortlichkeiten und dem Umgang mit Interna. Das ist nicht dasselbe wie die von BILD beschriebene „Funkel-Fraktion“, und es wäre journalistisch falsch, beide Geschichten einfach miteinander gleichzusetzen. Dennoch berühren beide Berichte denselben wunden Punkt: Wie geschlossen ist dieser Verein eigentlich?
Nach dem Abstieg hätte Fortuna die große Chance gehabt, einen klaren Schnitt zu machen. Zuständigkeiten klären, eine sportliche Linie festlegen, einen Kader zusammenstellen, einen Trainer stärken und anschließend gemeinsam versuchen, den Betriebsunfall Abstieg zu korrigieren.
Stattdessen diskutieren wir nach zwei Spieltagen schon wieder über Lager, Interna, Trainergerüchte und Entscheidungen aus der Vergangenheit.
Das kann für Fortuna gefährlicher werden als null Punkte nach zwei Spielen.
Eine Saison kann man nach einem Fehlstart noch drehen. Einen Verein, in dem unterschiedliche Kräfte gegeneinander arbeiten, wesentlich schwerer.
Deshalb wäre es jetzt auch falsch, reflexartig Friedhelm Funkel gegen Alexander Ende auszuspielen. Funkel hat sich um Fortuna verdient gemacht, das steht außer Frage. Viele Fans verbinden mit ihm eine Phase, in der dieser Verein wieder das Gefühl vermittelte, gemeinsam in eine Richtung zu gehen. Vielleicht erklärt gerade das, warum sein Name bis heute eine solche Wirkung entfaltet und warum jede Verbindung zwischen Funkel und Fortuna sofort Emotionen auslöst. Doch Alexander Ende ist der aktuelle Trainer von Fortuna Düsseldorf – und solange der Verein keine andere Entscheidung trifft, muss er auch die Möglichkeit bekommen, anhand seiner tatsächlichen Arbeit bewertet zu werden und nicht anhand von Gerüchten, die möglicherweise aus internen Spannungen heraus entstehen.
Genau deshalb geht es jetzt nicht darum, einzelne Personen öffentlich an den Pranger zu stellen oder vorschnell Schuldige zu benennen. Entscheidend ist vielmehr, dass Fortuna selbst für Klarheit sorgt. Wenn es innerhalb des Aufsichtsrats tatsächlich grundsätzliche Zweifel an Endes Verpflichtung gibt, dann gehören diese intern offen auf den Tisch. Unterschiedliche Meinungen sind in einem Verein dieser Größenordnung weder ungewöhnlich noch verwerflich. Problematisch wird es erst dann, wenn aus Meinungsverschiedenheiten Lager entstehen und Entscheidungen nicht mehr in den dafür vorgesehenen Gremien ausgetragen werden, sondern über Gerüchte, durchgestochene Interna oder gezielte Stimmungsmache beeinflusst werden sollen.
Und genau hier liegt der Kern der gesamten Geschichte. Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, ob Friedhelm Funkel noch einmal Trainer von Fortuna Düsseldorf wird. Vielleicht geht es auch nicht in erster Linie darum, wie lange Alexander Ende noch auf der Bank sitzt. Die viel grundsätzlichere Frage lautet, wer bei Fortuna eigentlich die sportliche Richtung vorgibt – und ob diese Richtung anschließend von allen Verantwortlichen auch mitgetragen wird.
Nach einem Abstieg und einem nahezu kompletten Neuaufbau braucht ein Verein vor allem Verlässlichkeit. Spieler müssen wissen, woran sie sind. Ein Trainer muss wissen, dass er nicht nach jeder Niederlage intern neu verhandelt wird. Die sportliche Führung muss Entscheidungen treffen können, ohne ständig befürchten zu müssen, dass parallel andere Interessen verfolgt werden. Und ein Aufsichtsrat muss kontrollieren, kritisch hinterfragen und gegebenenfalls korrigieren – aber eben auf eine Weise, die den Verein stabilisiert und nicht zusätzlich verunsichert.
Fortuna hat nach zwei Spieltagen zweifellos ein sportliches Problem. Null Punkte, zwei enttäuschende Auftritte und eine Mannschaft, die bislang weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, dürfen nicht kleingeredet werden. Doch eine Saison lässt sich nach einem Fehlstart noch drehen. Viel gefährlicher wäre es, wenn sich nun herausstellen sollte, dass innerhalb des Vereins verschiedene Kräfte gegeneinander arbeiten und der sportliche Neuaufbau schon ins Wanken gerät, bevor er überhaupt richtig begonnen hat.
Genau deshalb verdienen die aktuellen Berichte Aufmerksamkeit. Nicht, weil wir daraus vorschnell einen bevorstehenden Trainerwechsel konstruieren wollen und auch nicht, weil Friedhelm Funkel plötzlich wieder zur Lösung aller Probleme erklärt werden sollte. Sondern weil Fortuna beantworten muss, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich von allen getragen wird und ob Alexander Ende innerhalb des Vereins die Rückendeckung besitzt, die ein Trainer für einen solchen Neuaufbau benötigt.
Denn zwei verlorene Spiele sind noch lange keine verlorene Saison. Wenn aber das Vertrauen innerhalb eines Vereins verloren geht, aus unterschiedlichen Meinungen feste Lager entstehen und irgendwann niemand mehr genau weiß, wer eigentlich welchen Kurs verfolgt, dann wird aus einer sportlichen Krise sehr schnell etwas wesentlich Größeres.
Und genau darüber sollte Fortuna jetzt sprechen.
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