Rheinkirmes-Debatte: Wer Düsseldorf verstehen will, muss Düsseldorf erleben


Rheinkirmes-Debatte: Wer Düsseldorf verstehen will, muss Düsseldorf erleben
Die Diskussion um die Rheinkirmes hat in dieser Woche wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich Menschen ihre Stadt wahrnehmen. Während ein Anwohner eine Verkürzung der Öffnungszeiten forderte, stellte sich der Beschwerdeausschuss der Stadt Düsseldorf hinter die bestehende Regelung. Damit ist die Debatte zwar vorerst entschieden, die eigentliche Frage bleibt jedoch bestehen: Wie viel Tradition gehört zu einer modernen Großstadt – und wie bewahren wir eine Stadt mit einzigartiger Identität?
Die Rheinkirmes ist dabei weit mehr als nur ein Volksfest. Sie ist Teil der Düsseldorfer Identität und steht stellvertretend für vieles, was unsere Stadt ausmacht. Ob Schützenfeste, Martinszüge, Veedelsfeste oder Karneval – viele Veranstaltungen, die heute selbstverständlich erscheinen, existieren seit Generationen und werden Jahr für Jahr von Ehrenamtlichen, Vereinen und engagierten Bürgern getragen.
Gerade in einer Stadt, die wächst und jedes Jahr neue Einwohner begrüßt, lohnt sich deshalb manchmal ein Perspektivwechsel. Wer nach Düsseldorf kommt, zieht nicht nur in eine Wohnung oder in ein bestimmtes Viertel. Er wird Teil einer Stadt mit eigener Geschichte, eigenen Traditionen und einem außergewöhnlich lebendigen Vereinsleben.
Vielleicht liegt genau darin die Chance dieser Diskussion. Statt Brauchtum ausschließlich aus der Perspektive von Lärm, Verkehrsbehinderungen oder vollen Straßen zu betrachten, könnte man die Gelegenheit nutzen, Düsseldorf einmal an der Basis kennenzulernen. Dort, wo Menschen ihre Freizeit investieren, Nachbarschaften pflegen und Veranstaltungen organisieren, die oft weit älter sind als die meisten Häuser, die heute um sie herum stehen.
Natürlich müssen Regeln eingehalten werden. Niemand hat Verständnis für Wildpinkler, Müll oder nächtliche Auswüchse. Doch zwischen berechtigter Kritik und der grundsätzlichen Infragestellung von Traditionen besteht ein Unterschied.
Wer einmal einen Martinszug begleitet, ein Schützenfest besucht oder einen Abend auf der Rheinkirmes mit den Menschen verbringt, die diese Veranstaltungen organisieren, erkennt schnell: Hier geht es nicht nur ums Feiern. Es geht um Gemeinschaft, Heimatgefühl und das, was Düsseldorf jenseits von Hochglanzbroschüren und Stadtmarketing tatsächlich ausmacht.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieser Rheinkirmes-Debatte: Wer Düsseldorf verstehen will, muss Düsseldorf erleben und die Düsseldorfer kennenlernen, wie sie wirklich sind. Denn der echte Düsseldorfer hat mit Schickimicki oft wenig zu tun. Es sind meist fleißige, bodenständige und liebenswerte Frohnaturen.
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