ZU VIEL ERFAHRUNG, ZU WENIG MUT?

🔴⚪ ZU VIEL ERFAHRUNG, ZU WENIG MUT? 🔴⚪

🔴⚪ ZU VIEL ERFAHRUNG, ZU WENIG MUT? 🔴⚪
WARUM ALEXANDER ENDE SICH NACH
DEM FRAGEN GEFALLEN LASSEN MUSS

Ein Spieltag ist kein Urteil. Schon gar nicht nach einem Sommer, in dem Fortuna Düsseldorf nahezu eine komplette Mannschaft neu zusammenstellen musste. Trotzdem hat das 1:2 beim SV Waldhof Mannheim Fragen hinterlassen – und einige davon richten sich zwangsläufig an Alexander Ende.

Der Fortuna-Trainer hatte während der gesamten Vorbereitung Mut, Intensität und Konkurrenzkampf eingefordert. Junge Spieler wie Elias Arden, Anas Slimani, Jordi Paulina oder Kilian Sauck nutzten ihre Chancen und gehörten zu den positiven Überraschungen des Sommers. Als es in Mannheim erstmals wirklich um Punkte ging, setzte Ende jedoch zunächst auf Erfahrung. Marcel Benger und der erst kurz zuvor verpflichtete Philipp Förster begannen, Arden und Slimani saßen draußen.

Endes Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Ein emotionales Auftaktspiel in Mannheim, ein lautes Stadion, eine völlig neue Mannschaft – da kann Erfahrung helfen. Das Problem war nur: Sie half zunächst kaum.

Fortuna fand in der ersten Halbzeit nur selten Zugriff auf die Partie. Die Abstände waren zu groß, es fehlte an Intensität und im Zentrum gelang es kaum, Kontrolle zu entwickeln. Benger gewann lediglich drei seiner neun Zweikämpfe. Förster kam während der kompletten ersten Hälfte auf gerade einmal 13 Ballkontakte. Für einen Spieler, der eigentlich Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff herstellen soll, ist das schlicht zu wenig.

Dann kamen die Jungen – und plötzlich veränderte sich das Bild.

Elias Arden gewann in deutlich kürzerer Einsatzzeit 60 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte mehr Präsenz ins Zentrum. Anas Slimani kam innerhalb weniger Minuten auf mehr als doppelt so viele Ballkontakte wie Förster in einer kompletten Halbzeit. Auch Jordi Paulina sorgte für Bewegung und Tempo. Fortuna war nicht plötzlich überlegen, aber die Mannschaft wirkte lebendiger, mutiger und entschlossener.

Genau deshalb darf die Frage gestellt werden: Hat Alexander Ende ausgerechnet beim ersten Pflichtspiel etwas von jenem Mut verloren, der seine Vorbereitung zuvor ausgezeichnet hatte?

Auch die Auswechslung von Dominique Heintz zur Pause wirft Fragen auf. Der erfahrene Innenverteidiger wurde gerade deshalb verpflichtet, um einer neu zusammengestellten Mannschaft Stabilität und Führung zu geben. Gleichzeitig durfte Kaden Amaniampong weiterspielen, obwohl er auf seiner Seite mehrfach Probleme mit Samuel Okeke hatte. Vielleicht gab es dafür gute taktische oder körperliche Gründe – von außen wirkte die Entscheidung dennoch überraschend.

Natürlich gehört auch der Schiedsrichter zur Geschichte dieses Spiels. Bereits in der Anfangsphase hätte Mannheim nach einer Notbremse sehr wahrscheinlich nur noch zu zehnt weiterspielen dürfen. Eine unabhängige Nachbetrachtung bestätigte später, dass hier Rot die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Das hätte die Partie komplett verändern können.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Fortunas Anschlusstreffer aufgrund einer Abseitsposition ebenfalls nicht hätte zählen dürfen. Und genau deshalb wäre es viel zu bequem, die Niederlage beim Schiedsrichter abzuladen.

Fortuna hat dieses Spiel nicht verloren, weil eine Karte stecken blieb. Fortuna hat verloren, weil die Mannschaft lange nicht die Intensität auf den Platz brachte, die in dieser Liga notwendig sein wird.

Das hat Alexander Ende nach dem Spiel selbst erstaunlich deutlich angesprochen. Und genau das spricht wiederum für ihn. Er suchte keine Ausreden, sondern kritisierte die eigene Leistung.

Vielleicht war dieser Fehlstart deshalb sogar wertvoll.

Denn der Mannschaft wurde bereits am ersten Spieltag gezeigt, dass Namen, Marktwerte und Zweitliga-Erfahrung in dieser Liga keine Punkte garantieren. Die 3. Liga wird körperlich, unangenehm und manchmal ziemlich dreckig. Wer glaubt, Fortuna könne allein aufgrund der individuellen Qualität durch diese Saison marschieren, bekam in Mannheim einen ersten Realitätscheck.

Und vielleicht steckt darin bereits die wichtigste Erkenntnis.

Die jungen Wilden haben in der Vorbereitung nicht nur nette Geschichten geliefert. Einige von ihnen sind inzwischen echte Alternativen für die Startelf.

Ende hat Konkurrenzkampf versprochen. Jetzt muss dieser Konkurrenzkampf auch Konsequenzen haben.

Niemand fordert nach einem Spiel einen kompletten Kurswechsel – und schon gar keine Trainerdiskussion. Aber nach Mannheim darf Alexander Ende sich eine Frage gefallen lassen:

Wenn Arden, Slimani, Paulina und Co. erneut zeigen, dass sie einer Partie Energie geben können – warum sollten sie dann noch lange warten?

Vielleicht braucht diese neue Fortuna gerade nicht weniger Risiko.

Vielleicht braucht sie mehr Mut. Was meint Ihr ?

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