{"id":36111,"date":"2026-10-29T15:00:14","date_gmt":"2026-10-29T14:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/29\/olbermann-als-texas-craftbeer-auf-duesseldorfer-alt-trifft-und-eine-junge-36664711\/"},"modified":"2026-10-29T15:00:14","modified_gmt":"2026-10-29T14:00:14","slug":"olbermann-als-texas-craftbeer-auf-duesseldorfer-alt-trifft-und-eine-junge-36664711","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/29\/olbermann-als-texas-craftbeer-auf-duesseldorfer-alt-trifft-und-eine-junge-36664711\/","title":{"rendered":"OLBERMANN: ALS TEXAS-CRAFTBEER AUF D\u00dcSSELDORFER ALT TRIFFT \u2013 UND EINE JUNGE\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 OLBERMANN: ALS TEXAS-CRAFTBEER AUF D\u00dcSSELDORFER ALT TRIFFT \u2013 UND EINE JUNGE BRAUEREI NACH NUR WENIGEN JAHREN WIEDER VERSCHWINDET<\/p>\n<p>Nicht jede D\u00fcsseldorfer Brauereigeschichte braucht hundert Jahre, um erz\u00e4hlenswert zu sein. Die Privatbrauerei Olbermann existierte nur wenige Jahre \u2013 und steht trotzdem f\u00fcr eine bemerkenswerte Phase der j\u00fcngeren Biergeschichte unserer Stadt. Hier traf die amerikanische Craftbeer-Bewegung auf D\u00fcsseldorfer Altbiertradition, aus zwei Hobbybrauern wurden Brauereibesitzer, aus einer K\u00fcche wurde eine eigene Produktionsst\u00e4tte in Gerresheim und aus einer jungen Biermarke zeitweise sogar der Hausname zweier traditionsreicher Altstadtkneipen.<\/p>\n<p>Die Idee entstand weit weg vom Rhein. Mirjam und Jan Olbermann verbrachten beruflich mehrere Jahre im texanischen Austin und lernten dort eine Bierkultur kennen, die ganz anders funktionierte als die klassische D\u00fcsseldorfer Brauhauswelt. Kleine Brauereien experimentierten mit Hopfensorten, Rezepturen und Bierstilen, die jenseits von Pils und Lager eine enorme Geschmacksvielfalt boten. Die Olbermanns probierten sich durch diese Szene \u2013 und begannen schlie\u00dflich selbst zu brauen.<\/p>\n<p>Der Anfang war allerdings alles andere als glorreich. Der erste eigene Versuch soll so bitter geraten sein, dass er kaum genie\u00dfbar war. Doch statt die Idee aufzugeben, wurde weiter experimentiert. Zuhause entstanden auf einer kleinen Homebrew-Anlage immer neue Sude, Rezepte wurden ver\u00e4ndert und Freunde zu Testtrinkern. Aus dem Hobby entwickelte sich irgendwann ein ernsthafter Plan.<\/p>\n<p>Am 22. November 2019 wurde die Privatbrauerei Olbermann GmbH offiziell gegr\u00fcndet. Im Januar 2020 waren die ersten beiden verkaufsfertigen Biere da \u2013 ausgerechnet zwei kr\u00e4ftige India Pale Ales. Das war eine bemerkenswerte Ansage f\u00fcr D\u00fcsseldorf. W\u00e4hrend die Stadt bierkulturell vor allem durch ihr Alt gepr\u00e4gt war, startete Olbermann bewusst mit den Aromen der amerikanischen Craftbeer-Szene.<\/p>\n<p>Eine eigene gro\u00dfe Brauanlage besa\u00dfen Mirjam und Jan zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die selbst entwickelten Rezepte wurden zun\u00e4chst im Lohnbrauverfahren bei anderen Brauereien umgesetzt. Das war kein Geheimnis, sondern Teil der Entwicklung des jungen Unternehmens. Entscheidend war f\u00fcr die beiden, die eigenen Rezepturen und die eigene Bieridee Schritt f\u00fcr Schritt auf eine professionelle Gr\u00f6\u00dfenordnung zu bringen.<\/p>\n<p>Auch optisch wollte Olbermann anders sein. Die braunen 0,33-Liter-Flaschen bekamen auff\u00e4llige, nostalgisch angehauchte Etiketten, die sich klar von den klassischen D\u00fcsseldorfer Biermarken unterschieden. Die Motive wurden individuell gestaltet und erinnerten teilweise an amerikanische Werbung der 1950er-Jahre. Damit entstand eine Marke, die bewusst nicht vorgab, seit 1850 zu existieren. Olbermann war neu \u2013 und sollte auch so aussehen.<\/p>\n<p>Das Sortiment wuchs schnell \u00fcber die ersten IPAs hinaus. Mit dem Olbermann Alt kam nat\u00fcrlich auch die D\u00fcsseldorfer Heimat ins Glas. Das oberg\u00e4rige Bier hatte 4,8 Prozent Alkohol und fiel schon optisch etwas heller aus als viele traditionelle D\u00fcsseldorfer Altbiere. Dazu kamen ein Helles, verschiedene Pale Ales, ein New England beziehungsweise Hazy IPA, White IPA und wechselnde Spezialbiere. Namen wie Hopfenstemmer oder Miss Fluffy zeigten, dass hier nicht nur mit Rezepturen, sondern auch mit der Sprache einer j\u00fcngeren Bierkultur gespielt wurde.<\/p>\n<p>Besonders interessant war das Nebeneinander von Alt und Hellem. Wieder begegnet uns damit in unserer Serie ein Punkt, der sich durch die gesamte D\u00fcsseldorfer Brauereigeschichte zieht: Unsere Stadt war und ist niemals ausschlie\u00dflich eine Altbierstadt gewesen. Historische Brauereien produzierten Helles, Lager, Pils, Export und Bock neben ihren oberg\u00e4rigen Bieren \u2013 und Olbermann setzte diese Vielfalt im 21. Jahrhundert mit Craftbeer-Mitteln fort.<\/p>\n<p>2021 bekam die Marke ein eigenes Zuhause mitten in der Altstadt. An der Kurze Stra\u00dfe 2a, unmittelbar am Burgplatz, \u00fcbernahmen Jan und Mirjam Olbermann gemeinsam mit Michael M\u00fcller das traditionsreiche St. Sebastian und er\u00f6ffneten es als eigenen Brauereiausschank neu. Pl\u00f6tzlich musste das Olbermann-Bier nicht mehr nur \u00fcber Flaschen, Handel und fremde Gastronomien erkl\u00e4rt werden. Es konnte dort getrunken werden, wo D\u00fcsseldorfer Bierkultur seit Jahrhunderten funktioniert: an der Theke.<\/p>\n<p>Der Ausschank wurde f\u00fcr die junge Brauerei enorm wichtig. Ende 2022 erkl\u00e4rte Jan Olbermann, rund 70 Prozent des in D\u00fcsseldorf produzierten Bieres w\u00fcrden \u00fcber das St. Sebastian verkauft. Das kleine Lokal mit nur etwa 60 Pl\u00e4tzen war damit nicht blo\u00df Schaufenster, sondern wirtschaftliches Herz der Brauerei.<\/p>\n<p>Denn inzwischen war ein weiterer entscheidender Schritt gelungen: Olbermann braute tats\u00e4chlich selbst in D\u00fcsseldorf. Im Juni 2022 bezog das Unternehmen in Gerresheim eine ehemalige B\u00e4ckerei in einem Hinterhof an der Dreherstra\u00dfe. Dort wurde eine 5,7-Hektoliter-Brauanlage des amerikanischen Herstellers Ss Brewtech installiert. G\u00e4r- und Lagertanks sowie weitere Technik folgten. Aus einer Biermarke mit Lohnproduktion war damit eine echte D\u00fcsseldorfer Kleinbrauerei geworden.<\/p>\n<p>Bemerkenswert war auch, dass die Olbermanns keinen klassischen Brauerhintergrund hatten. Jan kam aus dem Motorsport und arbeitete als Rennmechaniker, Mirjam war im Umfeld der LVR-Klinik Gerresheim t\u00e4tig. Das professionelle Brauwissen wurde deshalb gezielt erg\u00e4nzt. Zum Jahreswechsel 2022\/23 stie\u00df mit Tim Koziorowski ein ausgebildeter Brauer und M\u00e4lzer zum Unternehmen. Die Hobbybrauerei war erwachsen geworden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig blieb die Experimentierfreude erhalten. Gemeinsam mit anderen Craftbeer-Brauern entstanden sogenannte Collaboration-Biere. Mit Bier Kong und Freigeist Bierkultur wurde beispielsweise \u201eAlt(es) aus Liebe\u201c entwickelt, ein ungew\u00f6hnlich aufwendig aufgebautes Altbier mit mehreren Malzsorten und kr\u00e4ftiger Hopfung. Solche Biere zeigten, was Olbermann eigentlich versuchte: D\u00fcsseldorfer Tradition nicht abzuschaffen, sondern neu zu interpretieren.<\/p>\n<p>2023 kam noch ein weiterer emotionaler Ort hinzu. Die Olbermanns \u00fcbernahmen den Pachtbetrieb der legend\u00e4ren Altstadtkneipe Em P\u00f6\u00f6tzke in der Mertensgasse. Das kleine Lokal geh\u00f6rt seit Jahrzehnten zur D\u00fcsseldorfer Jazz- und Livemusikgeschichte. Unter Olbermann wurde die Musiktradition wieder st\u00e4rker belebt; gleichzeitig standen Alt, Helles und IPA aus der eigenen Brauerei auf der Karte. Amerikanisch inspirierte Biere, New-Orleans-Jazz und D\u00fcsseldorfer Altstadt trafen hier auf wenigen Quadratmetern zusammen.<\/p>\n<p>Gerade deshalb kam das Ende \u00fcberraschend schnell. Im Januar 2025 teilte Olbermann mit, Brauerei und Ausschank auf der Kurze Stra\u00dfe aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden Ende M\u00e4rz schlie\u00dfen zu wollen. Jan Olbermann k\u00fcndigte zugleich an, in seinen fr\u00fcheren Beruf zur\u00fcckzukehren. F\u00fcr die Privatbrauerei war es jedoch nicht nur ein gastronomischer Abschied. Im Februar 2025 stellte die Gesellschaft selbst einen Insolvenzantrag. Das Amtsgericht D\u00fcsseldorf wies den Antrag am 24. Juni 2025 mangels Masse ab. Die GmbH befindet sich inzwischen in Liquidation.<\/p>\n<p>Heute sagt selbst die ehemalige Internetseite der Privatbrauerei nur noch knapp, dass die Pforten geschlossen seien. Damit ist ein D\u00fcsseldorfer Brauereikapitel beendet, das kaum begonnen zu haben schien.<\/p>\n<p>Und trotzdem w\u00e4re es falsch, Olbermann nur als gescheitertes Experiment zu betrachten. Innerhalb weniger Jahre gingen Mirjam und Jan Olbermann den gesamten Weg vom K\u00fcchenbrauer \u00fcber Lohnproduktion und Flaschenverkauf bis zur eigenen Brauanlage, professionellem Brauer, eigenem Altstadtausschank und mehreren sehr unterschiedlichen Bierstilen. Sie zeigten, dass in D\u00fcsseldorf neben jahrhundertealten Namen Platz f\u00fcr neue Ideen war \u2013 und dass ein Altbier nicht automatisch so schmecken oder aussehen muss wie vor f\u00fcnfzig Jahren.<\/p>\n<p>Vielleicht geh\u00f6rt auch genau das zur ehrlichen Brauereigeschichte einer Stadt. Nicht jede Brauerei wird 150 Jahre alt. Einige hinterlassen gewaltige Fabrikgeb\u00e4ude, andere nur alte Etiketten. Manche existieren so kurz, dass die Menschen, die ihr erstes Bier getrunken haben, auch beim letzten noch an der Theke sitzen.<\/p>\n<p>Olbermann war eine solche Brauerei.<\/p>\n<p>Wer von euch hat die ersten Olbermann-Biere noch aus der Zeit der Lohnbrauerei probiert? Wer sa\u00df im St. Sebastian, trank Alt oder Hopfenstemmer im P\u00f6\u00f6tzke oder war vielleicht sogar einmal in der kleinen Gerresheimer Brauerei an der Dreherstra\u00dfe?<\/p>\n<p>Und welches Olbermann-Bier sollte eurer Meinung nach nicht vergessen werden?<\/p>\n<p>Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Diesmal schreiben wir keine Geschichte aus den Erz\u00e4hlungen unserer Gro\u00dfeltern \u2013 sondern eine, die viele D\u00fcsseldorfer selbst miterlebt haben.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #Olbermann #Craftbeer #Altbier #Gerresheim #D\u00fcsseldorferAltstadt #Brauereigeschichte<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1554841236664711\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\r\n\r\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1554841236664711&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 OLBERMANN: ALS TEXAS-CRAFTBEER AUF D\u00dcSSELDORFER ALT TRIFFT \u2013 UND EINE JUNGE BRAUEREI NACH NUR WENIGEN JAHREN WIEDER VERSCHWINDET Nicht jede D\u00fcsseldorfer Brauereigeschichte braucht hundert Jahre, um erz\u00e4hlenswert zu sein. 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