{"id":35970,"date":"2026-10-26T10:39:03","date_gmt":"2026-10-26T09:39:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/26\/unter-duesseldorfs-altstadt-liegt-ein-vergessener-friedhof-was-archaeologen-an-17011953\/"},"modified":"2026-10-26T10:39:03","modified_gmt":"2026-10-26T09:39:03","slug":"unter-duesseldorfs-altstadt-liegt-ein-vergessener-friedhof-was-archaeologen-an-17011953","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/26\/unter-duesseldorfs-altstadt-liegt-ein-vergessener-friedhof-was-archaeologen-an-17011953\/","title":{"rendered":"UNTER D\u00dcSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF \u2013 WAS ARCH\u00c4OLOGEN AN\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 UNTER D\u00dcSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF \u2013 WAS ARCH\u00c4OLOGEN AN ST. LAMBERTUS ENTDECKT HABEN<\/p>\n<p>Wer heute \u00fcber den Stiftsplatz spaziert, den ber\u00fchmten schiefen Kirchturm von St. Lambertus fotografiert oder am Fischerjungenbrunnen verweilt, bewegt sich \u00fcber einem bemerkenswerten St\u00fcck D\u00fcsseldorfer Geschichte. Denn unter dem Pflaster rund um die Kirche befinden sich noch immer \u00dcberreste eines mittelalterlichen Friedhofs, auf dem \u00fcber Jahrhunderte die Einwohner der damaligen Stadt bestattet wurden. Dass dieser historische Begr\u00e4bnisplatz existierte, ist schon l\u00e4nger bekannt. Doch bei den inzwischen abgeschlossenen Sanierungsarbeiten am Fischerjungenbrunnen konnten Arch\u00e4ologen weitere aufschlussreiche Spuren dokumentieren. Die Stadt D\u00fcsseldorf stellte die Ergebnisse am 23. Oktober 2026 vor und erkl\u00e4rte den historischen Kirchhof zum Bodendenkmal des Monats Oktober.<\/p>\n<p>EIN GRAB UNTER DEM FISCHERJUNGENBRUNNEN<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Bauarbeiten, die bereits im September abgeschlossen wurden, untersuchten Fachleute der Firma arch\u00e4ologie.de das Erdreich an der Nordostecke der Lambertuskirche. Der Untergrund war durch zahlreiche fr\u00fchere Eingriffe teilweise stark ver\u00e4ndert worden. Zwischen Ziegelbruch, M\u00f6rtelresten und Keramikscherben fanden sich zun\u00e4chst verstreute menschliche und tierische Knochen.<\/p>\n<p>In etwa einem Meter Tiefe bot sich jedoch ein anderes Bild. Auf der Sohle eines Leitungsgrabens lagen ein menschlicher Sch\u00e4del sowie Teile der Hals- und Brustwirbels\u00e4ule, der Schl\u00fcsselbeine und eines Oberarmknochens noch in ihrer urspr\u00fcnglichen Position. Anders als bei den verstreuten Knochen handelte es sich um die \u00dcberreste einer ungest\u00f6rten Bestattung.<\/p>\n<p>Die Lage der Gebeine zeigte, dass der Verstorbene nach christlicher Tradition mit Blick nach Osten beigesetzt worden war. Wer dieser Mensch war, wann genau er lebte und unter welchen Umst\u00e4nden er starb, l\u00e4sst sich aus den bislang ver\u00f6ffentlichten Erkenntnissen nicht bestimmen.<\/p>\n<p>Die Arch\u00e4ologen dokumentierten den Befund sorgf\u00e4ltig. Da f\u00fcr die Sanierung keine weiteren tiefen Eingriffe erforderlich waren, konnten die sterblichen \u00dcberreste an ihrem urspr\u00fcnglichen Ort verbleiben. Das Grab liegt somit weiterhin gesch\u00fctzt unter dem heutigen Stiftsplatz.<\/p>\n<p>ALS D\u00dcSSELDORF NOCH EIN KLEINES DORF WAR<\/p>\n<p>Die Geschichte des ehemaligen Friedhofs f\u00fchrt weit zur\u00fcck in die Anf\u00e4nge D\u00fcsseldorfs. Bereits seit mindestens der Mitte des 12. Jahrhunderts stand an der Stelle der heutigen Lambertuskirche ein Gotteshaus. Vermutlich wurde es um 1206 zur Pfarrkirche erhoben. Es ist anzunehmen, dass die Bewohner des damaligen Dorfes an der D\u00fcssel ihre Verstorbenen schon zu dieser Zeit unmittelbar neben der Kirche bestatteten.<\/p>\n<p>Nach der Stadterhebung von 1288 entwickelte sich D\u00fcsseldorf zunehmend zu einem bedeutenderen Ort. Im Zentrum entstand ein Kanonikerstift, und die \u00e4ltere Kirche wurde durch einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen gotischen Neubau ersetzt. Die Arbeiten zogen sich \u00fcber mehrere Jahrzehnte hin. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war schlie\u00dflich die dreischiffige Hallenkirche vollendet, die noch heute das Erscheinungsbild der Altstadt pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Der dazugeh\u00f6rige Friedhof wird erstmals 1303 ausdr\u00fccklich in einer Urkunde erw\u00e4hnt. \u00dcber viele Generationen hinweg war der Kirchhof der zentrale Begr\u00e4bnisplatz der katholischen Bev\u00f6lkerung D\u00fcsseldorfs.<\/p>\n<p>Rund um die Kirche entstand au\u00dferdem ein eigener, von der \u00fcbrigen Stadt abgegrenzter Rechtsbezirk, die sogenannte Stiftsimmunit\u00e4t. Er umfasste ungef\u00e4hr den heutigen Stiftsplatz. Eine Mauer markierte seine n\u00f6rdliche Grenze. Die Fundamente dieser einstigen Abgrenzung wurden bereits 2012 bei Leitungsarbeiten in der Stra\u00dfe Alte Stadt freigelegt.<\/p>\n<p>TOTENKRONEN UND EIN L\u00c4NGST VERSCHWUNDENES BEINHAUS<\/p>\n<p>Auch die j\u00fcngsten Grabfunde stehen nicht allein. Bereits 2016 hatten Arch\u00e4ologen bei Bauarbeiten s\u00fcdlich der Lambertuskirche mehrere ungest\u00f6rte Bestattungen entdeckt. Einige der Gr\u00e4ber lagen nur etwa 60 Zentimeter unter dem heutigen Pflaster.<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert waren gr\u00fcnliche Verf\u00e4rbungen an einigen Sch\u00e4deln. Sie stammten von korrodierten Kupferdr\u00e4hten, die urspr\u00fcnglich zu sogenannten Totenkronen geh\u00f6rten. Diese kunstvoll gefertigten Kr\u00e4nze aus Draht und Textilien wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert unverheirateten Verstorbenen mit ins Grab gegeben.<\/p>\n<p>Solche Funde erz\u00e4hlen von einer Bestattungskultur, in der pers\u00f6nliche Lebensumst\u00e4nde, religi\u00f6se Vorstellungen und gesellschaftliche Traditionen auch \u00fcber den Tod hinaus eine wichtige Rolle spielten.<\/p>\n<p>Bei den Untersuchungen von 2016 kamen au\u00dferdem Fundamente eines kleinen Geb\u00e4udes ans Licht. Vermutlich handelte es sich um ein ehemaliges Beinhaus, in dem menschliche Gebeine aufbewahrt wurden, wenn \u00e4ltere Grabstellen erneut ben\u00f6tigt wurden.<\/p>\n<p>Ein historisches Schriftst\u00fcck aus dem Jahr 1570 liefert dazu eine ungew\u00f6hnliche Schilderung: Darin beklagte sich ein Zeitgenosse dar\u00fcber, dass Schweine in dem Beinhaus w\u00fchlten. Eine heute befremdliche Vorstellung, die jedoch einen unmittelbaren Einblick in die damaligen Lebensverh\u00e4ltnisse vermittelt.<\/p>\n<p>WARUM DER FRIEDHOF VERSCHWAND<\/p>\n<p>Mit dem Wachstum D\u00fcsseldorfs wurde der Platz um St. Lambertus zunehmend knapp. Aus dem kleinen mittelalterlichen Ort hatte sich eine Residenzstadt und Landesfestung entwickelt, deren Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Jahrhunderte erheblich gewachsen war.<\/p>\n<p>Immer neue Bestattungen f\u00fchrten dazu, dass die Verstorbenen zunehmend n\u00e4her unter der Erdoberfl\u00e4che lagen. Gleichzeitig erh\u00f6hte sich das Gel\u00e4ndeniveau des Kirchhofs. Bei Rheinhochwasser hatte dies Auswirkungen auf die umliegenden H\u00e4user. Hinzu kamen Beschwerden \u00fcber den Verwesungsgeruch.<\/p>\n<p>1766 wurde der Friedhof schlie\u00dflich geschlossen. Die katholischen Einwohner D\u00fcsseldorfs wurden fortan au\u00dferhalb der damaligen Stadtbefestigung vor dem Flinger Tor bestattet.<\/p>\n<p>1815 ebnete man das ehemalige Friedhofsgel\u00e4nde ein und gestaltete es zu einem \u00f6ffentlichen Platz um. Die Grabst\u00e4tten verschwanden damit aus dem sichtbaren Stadtbild, blieben aber teilweise unter der Oberfl\u00e4che erhalten.<\/p>\n<p>Erst viel sp\u00e4ter erhielt der Platz eines seiner heutigen Wahrzeichen. 1938 wurde anl\u00e4sslich des 650-j\u00e4hrigen Stadtjubil\u00e4ums der Fischerjungenbrunnen aufgestellt. Er erinnert an die enge Verbindung D\u00fcsseldorfs mit dem Rhein und der Fischerei.<\/p>\n<p>Dass die Sanierung dieses Brunnens nun erneut Einblicke in die Geschichte des alten Kirchhofs erm\u00f6glicht hat, verbindet zwei sehr unterschiedliche Kapitel der D\u00fcsseldorfer Vergangenheit miteinander. Die Arbeiten sind inzwischen beendet, und der Brunnen f\u00fchrt wieder Wasser.<\/p>\n<p>STADTGESCHICHTE DIREKT UNTER UNSEREN F\u00dcSSEN<\/p>\n<p>Das eigentlich Faszinierende an diesen arch\u00e4ologischen Erkenntnissen ist nicht allein der Fund menschlicher \u00dcberreste. Es ist die Erkenntnis, wie viele Schichten Geschichte sich unter einem Ort verbergen, den wir l\u00e4ngst zu kennen glauben.<\/p>\n<p>Wo heute Menschen durch die Altstadt schlendern, Kinder am Brunnen spielen und Besucher die Architektur von St. Lambertus bewundern, wurden \u00fcber Jahrhunderte Verstorbene zur letzten Ruhe gebettet. Der heutige Stiftsplatz war einst ein Friedhof, umgeben von geistlichen Einrichtungen, historischen Geb\u00e4uden und den H\u00e4usern einer stetig wachsenden Stadt.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen der vergangenen Jahre haben dieses Bild Schritt f\u00fcr Schritt erg\u00e4nzt. Die freigelegten Mauerfundamente von 2012, die Gr\u00e4ber und Geb\u00e4udereste von 2016 sowie die bei der j\u00fcngsten Brunnensanierung dokumentierte Bestattung geh\u00f6ren zu den vielen Spuren, mit denen sich D\u00fcsseldorfs fr\u00fche Geschichte immer genauer nachvollziehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der alte Kirchhof ist deshalb nicht erst durch den j\u00fcngsten Fund zu einem bedeutenden historischen Ort geworden. Die neuen Erkenntnisse machen vielmehr erneut deutlich, wie viel Vergangenheit unter dem heutigen Pflaster bewahrt geblieben ist.<\/p>\n<p>Wer k\u00fcnftig am Fischerjungenbrunnen steht und auf den schiefen Turm von St. Lambertus blickt, sieht vielleicht mehr als eines der bekanntesten Fotomotive D\u00fcsseldorfs.<\/p>\n<p>Denn die Geschichte unserer Stadt begegnet uns nicht nur in alten Geb\u00e4uden, Urkunden und Museen. Manchmal liegt sie unmittelbar unter unseren F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #Stadtgeschichte #Arch\u00e4ologie #StLambertus #D\u00fcsseldorferAltstadt #Stiftsplatz #Fischerjungenbrunnen #Heimatgeschichte<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1551368817011953\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\r\n\r\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1551368817011953&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 UNTER D\u00dcSSELDORFS ALTSTADT LIEGT EIN VERGESSENER FRIEDHOF \u2013 WAS ARCH\u00c4OLOGEN AN ST. 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