{"id":35912,"date":"2026-10-24T10:16:17","date_gmt":"2026-10-24T08:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/24\/das-verschwundene-majolikahaeuschen-duesseldorfs-kleines-wunder-aus-keramik-27217112\/"},"modified":"2026-10-24T10:16:17","modified_gmt":"2026-10-24T08:16:17","slug":"das-verschwundene-majolikahaeuschen-duesseldorfs-kleines-wunder-aus-keramik-27217112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/24\/das-verschwundene-majolikahaeuschen-duesseldorfs-kleines-wunder-aus-keramik-27217112\/","title":{"rendered":"DAS VERSCHWUNDENE MAJOLIKAH\u00c4USCHEN \u2013 D\u00dcSSELDORFS KLEINES WUNDER AUS KERAMIK"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 DAS VERSCHWUNDENE MAJOLIKAH\u00c4USCHEN \u2013 D\u00dcSSELDORFS KLEINES WUNDER AUS KERAMIK<\/p>\n<p>Ein Haus, das selbst sein sch\u00f6nstes Ausstellungsst\u00fcck war: Im D\u00fcsseldorfer Hofgarten stand einmal ein Pavillon, dessen Fassaden mit glasierten Fliesen, Mosaiken und plastischem Schmuck \u00fcberzogen waren. Pflanzenornamente rankten sich \u00fcber die Architektur, und hinter dem Eingang setzte sich die Farbenpracht fort. Das Majolikah\u00e4uschen von Villeroy &amp; Boch war ein Geb\u00e4ude zum Staunen. Sein Ende kam bereits 1926 \u2013 durch einen Abbruch im Vorfeld der GeSoLei-Ausstellung.<\/p>\n<p>Unsere Computerrekonstruktionen holen dieses verschwundene St\u00fcck D\u00fcsseldorf zur\u00fcck ins Bild. Sie orientieren sich an seiner ersten Nutzungsphase als Ausstellungspavillon im Jahr 1902. Wir begegnen dem H\u00e4uschen also zu einer Zeit, als es die Erzeugnisse eines Keramikunternehmens pr\u00e4sentierte und noch kein Hofgartencaf\u00e9 war. Die Bilder sind eine anschauliche Ann\u00e4herung an diesen historischen Zustand. Wie viel sich tats\u00e4chlich belegen l\u00e4sst \u2013 und wo eine Rekonstruktion erg\u00e4nzen muss \u2013, geh\u00f6rt dabei ebenso zur Geschichte wie das Geb\u00e4ude selbst.<\/p>\n<p>Seinen Anfang nahm das Projekt mit der gro\u00dfen D\u00fcsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung von 1902. Villeroy &amp; Boch wollte sich dort mit einem eigenen Pavillon pr\u00e4sentieren. F\u00fcr ein Unternehmen, das unter anderem Baukeramik und Bodenfliesen herstellte, bot sich eine besondere M\u00f6glichkeit: Schon die Architektur konnte zeigen, was die eigenen Werkst\u00e4tten beherrschten. Besucher mussten keinen Katalog aufschlagen. Sie konnten die Produkte betreten.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude entstand im westlichen Hofgarten. Die Stadt nennt f\u00fcr den Rohbau den Zeitraum von August bis Dezember 1901; vollst\u00e4ndig fertig wurde der Pavillon erst im Juni 1902. Mit rund 75 Quadratmetern und einem kreuzf\u00f6rmigen Grundriss war er vergleichsweise klein. Seine Wirkung bezog er aus der aufwendigen Ausstattung mit Arbeiten aus den Werken in Dresden, Merzig und Mettlach.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tere Planung lag bei Anton Pleyer, einem Lehrer f\u00fcr Kunstgewerbe und Innendekoration in Mainz. Auch Unternehmensleiter Ren\u00e9 von Boch wirkte an der Gestaltung mit. Auf ihn ging die Idee zur\u00fcck, die Geb\u00e4udeseiten unterschiedlich auszuf\u00fchren. Wer um das H\u00e4uschen herumging, sollte immer neue Beispiele entdecken. Das war Architektur mit einem klaren gesch\u00e4ftlichen Zweck \u2013 und zugleich mit bemerkenswertem gestalterischem Ehrgeiz.<\/p>\n<p>Der Jugendstil lieferte daf\u00fcr eine passende Formensprache. Bl\u00e4tter, Bl\u00fcten und geschwungene Linien verwandelten keramische Oberfl\u00e4chen in eine scheinbar lebendige Pflanzenwelt. An der Hauptfassade kamen unter anderem glasierte Schuppenpl\u00e4ttchen zum Einsatz. Auch die R\u00fcckseite verdiente Aufmerksamkeit: Dort befanden sich Glasmosaiken mit Hafen- und Schiffsmotiven. Das H\u00e4uschen hatte weit mehr zu bieten als eine pr\u00e4chtige Eingangsfront.<\/p>\n<p>Im Inneren setzte sich diese Lust am Detail fort. Vitrinen zeigten weitere Keramikerzeugnisse, ein Wandbrunnen und ein Majolikakamin f\u00fchrten unterschiedliche Verwendungsm\u00f6glichkeiten vor Augen. Besonders eindrucksvoll waren die mit Rosenmotiven geschm\u00fcckte Decke und ein Durchgang, dessen plastischer Schmuck wie ein Baum mit rankenden Zweigen gestaltet war. Selbst der Blick nach oben geh\u00f6rte zum Ausstellungsbesuch.<\/p>\n<p>Nach dem Ende der Ausstellung schenkte Villeroy &amp; Boch den Pavillon der Stadt D\u00fcsseldorf. Damit blieb ein St\u00fcck der Veranstaltung im Hofgarten erhalten und entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Von 1904 bis 1918 diente das Geb\u00e4ude als Milchausschank. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte das \u201eCaf\u00e9 Mosaik-Pavillon\u201c, mit Kaffee, Geb\u00e4ck und sommerlichen Konzerten. Aus der Produktpr\u00e4sentation war ein Ort f\u00fcr eine Pause im Gr\u00fcnen geworden.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend das H\u00e4uschen seinen Platz im D\u00fcsseldorfer Alltag gefunden hatte, ver\u00e4nderten sich die Vorstellungen davon, wie moderne Architektur aussehen sollte. Mit den Vorbereitungen zur GeSoLei von 1926 geriet es unter Druck. Die neuen, monumentalen Ausstellungsbauten und der ornamentreiche Pavillon standen f\u00fcr unterschiedliche gestalterische Welten. Trotz Protesten aus der B\u00fcrgerschaft setzte sich der Wunsch nach seinem Abbruch durch.<\/p>\n<p>Anfang Februar 1926 wurde P\u00e4chter Hermann Starkloff kurzfristig zur R\u00e4umung aufgefordert. Die Stadt datiert den Abbruch heute auf die Nacht vom 9. auf den 10. Februar. Die genauen Umst\u00e4nde sind allerdings nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Gerade die oft erz\u00e4hlte vollst\u00e4ndige Beseitigung innerhalb weniger Nachtstunden verdient einen vorsichtigen Umgang: Ein Bericht der Alde D\u00fcsseldorfer \u00fcber die Forschungen Melanie Florins verweist auf eine zeitgen\u00f6ssische Zeitungsmeldung, die vom Abtragen w\u00e4hrend mehrerer Tage sprach. Sicher ist das Ergebnis: Im Februar 1926 verlor D\u00fcsseldorf das Majolikah\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Lange blieb vor allem die Erinnerung in Fotografien und Beschreibungen. Dann brachte eine Spielplatzbaustelle das Geb\u00e4ude \u00fcberraschend wieder ans Licht. Bei Arbeiten an der Oederallee wurden 2014 Keramikfragmente und Fundamentreste entdeckt. Die Arbeiten wurden unterbrochen, die Befunde vermessen und dokumentiert. Durch den Abgleich mit historischen Grundrissen lie\u00df sich der Standort nun genau bestimmen. Die Fundamente blieben gesch\u00fctzt im Boden.<\/p>\n<p>Auch 2026 besch\u00e4ftigt das H\u00e4uschen die Forschung: Stadtarch\u00e4ologie und Hetjens \u2013 Deutsches Keramikmuseum untersuchen 114 erhaltene Fragmente. Hundert Jahre nach seinem Verschwinden gibt es also noch immer Neues \u00fcber das Geb\u00e4ude herauszufinden.<\/p>\n<p>Unsere Au\u00dfen- und Innenansichten nehmen euch gedanklich zur\u00fcck ins Ausstellungsjahr 1902. Historische Aufnahmen, Pl\u00e4ne und Beschreibungen bilden die Grundlage. Sie erlauben jedoch keine l\u00fcckenlose Wiederherstellung jedes Farbtons, jedes Einrichtungsdetails und der gesamten Umgebung. Der Vorplatz wurde in unserer Au\u00dfenansicht vereinfacht, der Innenraum f\u00fcr die Rundumsicht r\u00e4umlich gro\u00dfz\u00fcgiger gestaltet. Die Darstellungen sind deshalb ausdr\u00fccklich illustrative Computerrekonstruktionen und keine ma\u00dfgetreuen wissenschaftlichen Rekonstruktionen.<\/p>\n<p>Sie machen dennoch etwas m\u00f6glich, das alte Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen allein nur schwer vermitteln: eine Vorstellung davon, wie farbenreich und ungew\u00f6hnlich dieses kleine Geb\u00e4ude gewirkt haben k\u00f6nnte. Und sie stellen eine Frage, die weit \u00fcber das Majolikah\u00e4uschen hinausgeht: Welche Bauwerke, die uns heute unmodern erscheinen, w\u00fcrden sp\u00e4tere Generationen gern noch mit eigenen Augen sehen?<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #Stadtgeschichte #Hofgarten #Majolikah\u00e4uschen @Follower @Top-Fans<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1549317227217112\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\r\n\r\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1549317227217112&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 DAS VERSCHWUNDENE MAJOLIKAH\u00c4USCHEN \u2013 D\u00dcSSELDORFS KLEINES WUNDER AUS KERAMIK Ein Haus, das selbst sein sch\u00f6nstes Ausstellungsst\u00fcck war: Im D\u00fcsseldorfer Hofgarten stand einmal ein Pavillon, dessen Fassaden mit glasierten Fliesen, Mosaiken und plastischem Schmuck \u00fcberzogen waren. 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