{"id":35886,"date":"2026-10-23T15:00:27","date_gmt":"2026-10-23T13:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/23\/im-sonnenaufgang-in-diesem-alten-haus-begann-1838-eine-duesseldorfer-biergeschichte-13960120\/"},"modified":"2026-10-23T15:00:27","modified_gmt":"2026-10-23T13:00:27","slug":"im-sonnenaufgang-in-diesem-alten-haus-begann-1838-eine-duesseldorfer-biergeschichte-13960120","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/23\/im-sonnenaufgang-in-diesem-alten-haus-begann-1838-eine-duesseldorfer-biergeschichte-13960120\/","title":{"rendered":"IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE D\u00dcSSELDORFER BIERGESCHICHTE,\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE D\u00dcSSELDORFER BIERGESCHICHTE, DIE BIS HEUTE WEITERLEBT<\/p>\n<p>Wer heute durch die Citadellstra\u00dfe geht, l\u00e4uft an einem der wichtigsten Orte der D\u00fcsseldorfer Brauereigeschichte beinahe unbemerkt vorbei. Hinter der barocken Fassade der Hausnummer 12 standen einst Sudkessel, lagerten F\u00e4sser und wurde oberg\u00e4riges Bier ausgeschenkt. Das Haus hie\u00df \u201eIm Sonnenaufgang\u201c \u2013 und genau hier begann 1838 die Geschichte der Brauerei Schumacher.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude selbst ist noch viel \u00e4lter. Es stammt aus dem Jahr 1695 und geh\u00f6rt damit zu jener historischen Bebauung der Carlstadt, die D\u00fcsseldorf bis heute ein St\u00fcck seines alten Gesichts bewahrt. Die Citadellstra\u00dfe war damals keine museale Altstadtgasse, sondern eine lebendige Stra\u00dfe mit Handwerkern, Kaufleuten, Gastst\u00e4tten und gleich mehreren Braust\u00e4tten. Bier entstand dort, wo es getrunken wurde. Der Weg vom Sudkessel zum Gast betrug oft nur wenige Meter.<\/p>\n<p>1838 \u00fcbernahm der gelernte Bierbrauer Johann Matthias Schumacher die bereits bestehende Brauerei \u201eIm Sonnenaufgang\u201c von Carl Joseph K\u00fcrten. Die gesamte Brauereieinrichtung kostete ihn nach der \u00fcberlieferten Firmenchronik 1.702 Taler, 13 Groschen und 6 Pfennige \u2013 f\u00fcr einen jungen Handwerker eine erhebliche Investition. Mit diesem Kauf begann eine Familiengeschichte, die D\u00fcsseldorf bis heute mitpr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Schumacher braute hier oberg\u00e4rig, also nach jener \u00e4lteren Brauweise, aus der das D\u00fcsseldorfer Altbier hervorging. Daf\u00fcr kamen Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser in den Kessel. Anders als die sp\u00e4ter aufkommenden unterg\u00e4rigen Lager- und Pilsbiere arbeitete die oberg\u00e4rige Hefe bei h\u00f6heren Temperaturen. Gerade im 19. Jahrhundert sollte der Siegeszug der neuen unterg\u00e4rigen Biere die traditionelle rheinische Brauwelt massiv ver\u00e4ndern. In D\u00fcsseldorf aber blieb die alte Methode lebendig.<\/p>\n<p>Mathias Schumacher belie\u00df es offenbar nicht bei einem m\u00f6glichst gef\u00e4lligen Hausbier. In den \u00dcberlieferungen erscheint er als experimentierfreudiger Brauer, der sein Bier st\u00e4rker hopfte und besonders gelungene F\u00e4sser f\u00fcr Freunde zur\u00fccklegte. Diese F\u00e4sser wurden im Keller \u201eop de Latt\u201c, also erh\u00f6ht auf Latten, gelagert. Aus diesem Brauch entwickelte sich die Tradition des Latzenbiers, die Schumacher bis heute fortf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Historische D\u00fcsseldorfer R\u00fcckblicke bezeichneten dieses kr\u00e4ftigere Getr\u00e4nk sp\u00e4ter auch als besonders stark eingebrautes \u201eSticke-Alt\u201c. Gemeint war kein allt\u00e4gliches Bier f\u00fcr jeden Gast, sondern etwas Besonderes, das lange lagerte und nur einem ausgew\u00e4hlten Kreis ausgeschenkt wurde. Genau solche kleinen Rituale zeigen, wie anders Braukultur damals funktionierte: Ein gutes Bier war nicht nur Produkt, sondern h\u00e4ufig auch pers\u00f6nliche Gabe des Braumeisters.<\/p>\n<p>Das heutige Schumacher Latzenbier kn\u00fcpft bewusst an diese Geschichte an. Es wird st\u00e4rker eingebraut als das klassische Schumacher Alt, enth\u00e4lt mehr Malz und erreicht 5,5 Prozent Alkohol. Nur dreimal im Jahr wird es ausgeschenkt. Dass eine moderne D\u00fcsseldorfer Hausbrauerei noch immer einen Brauch pflegt, dessen Ursprung in einem Keller an der Citadellstra\u00dfe liegt, verbindet Gegenwart und Stadtgeschichte auf eine Weise, wie es nur wenige gastronomische Traditionen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr andere historische Biersorten des Sonnenaufgangs m\u00fcssen wir dagegen bewusst vorsichtig bleiben. Bislang konnten wir keine belastbare zeitgen\u00f6ssische Sortenkarte finden, die dort zus\u00e4tzlich Helles, Pilsener, Export oder Bock nachweist. W\u00e4hrend wir bei anderen D\u00fcsseldorfer Brauereien eine erstaunlich breite Palette solcher Biere gefunden haben, ist beim Sonnenaufgang vor allem die oberg\u00e4rige Linie sicher dokumentiert. Auch hier gilt f\u00fcr unsere Serie: Was nicht belegt ist, wird nicht nachtr\u00e4glich passend gemacht.<\/p>\n<p>\u00dcber drei Jahrzehnte war die Citadellstra\u00dfe die Heimat der Schumacher-Brauerei. Dann begann D\u00fcsseldorf sich rasant auszudehnen. Die Industrialisierung ver\u00e4nderte die Stadt, neue Viertel entstanden au\u00dferhalb des alten Kerns und Brauereien mussten mit einer wachsenden Nachfrage Schritt halten. 1871 wagte Ferdinand Schumacher I., der die Brauerei inzwischen von seinem Onkel \u00fcbernommen hatte, den Umzug an die damalige \u00f6stliche Stadtgrenze. Die neue Heimat wurde die Oststra\u00dfe.<\/p>\n<p>Damit endete die eigentliche Schumacher-Braugeschichte im Sonnenaufgang \u2013 aber nicht die Geschichte, die dort begonnen hatte. An der Oststra\u00dfe konnte sich der Betrieb weiterentwickeln, sp\u00e4ter kam der Goldene Kessel an der Bolkerstra\u00dfe hinzu, und aus der kleinen Brauerei in einem barocken Carlst\u00e4dter Haus wurde eine der wenigen gro\u00dfen D\u00fcsseldorfer Brautraditionen, die bis heute unabh\u00e4ngig weitergef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Gerade deshalb ist die Citadellstra\u00dfe 12 so besonders. Bei vielen alten D\u00fcsseldorfer Brauereien m\u00fcssen wir ihren Standort anhand alter Karten rekonstruieren, weil die H\u00e4user l\u00e4ngst verschwunden sind. Beim Sonnenaufgang steht das Geb\u00e4ude noch. Es \u00fcberstand die Jahrhunderte und steht heute unter Denkmalschutz. In den R\u00e4umen befindet sich inzwischen die Deutsch-Indische Handelskammer. \u00c4u\u00dferlich erinnert kaum noch etwas daran, dass dort einmal Bier gebraut wurde.<\/p>\n<p>Wer vor diesem Haus steht, steht also tats\u00e4chlich vor dem Ursprung einer bis heute lebenden D\u00fcsseldorfer Biergeschichte.<\/p>\n<p>Nicht vor einer nachgebauten Traditionskulisse. Nicht vor einem Neubau mit historischem Namen. Sondern vor dem echten Haus von 1695, in dem Johann Matthias Schumacher 1838 eine Brauerei \u00fcbernahm, mit Hopfen experimentierte und den Grundstein f\u00fcr eine Tradition legte, die D\u00fcsseldorf fast zwei Jahrhunderte sp\u00e4ter noch kennt.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft solcher Orte. Man braucht keine Gedenkst\u00e4tte und kein Museum. Man muss nur wissen, was einmal hinter einer T\u00fcr geschehen ist \u2013 und pl\u00f6tzlich sieht eine ganze Stra\u00dfe anders aus.<\/p>\n<p>Und jetzt sind wieder eure Erinnerungen gefragt: Wer kennt das Haus an der Citadellstra\u00dfe 12? Wer wusste, dass dort die Schumacher-Geschichte begann? Gibt es in euren Familien alte Fotos, Dokumente oder Geschichten zur Citadellstra\u00dfe und ihren zahlreichen Brauereien?<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich interessiert uns auch: Wer von euch hat schon einmal Latzenbier getrunken \u2013 und wusste dabei, dass seine Geschichte bis in den Keller des Sonnenaufgangs zur\u00fcckreicht?<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #ImSonnenaufgang #SchumacherAlt #Citadellstra\u00dfe #Carlstadt #Altbier #Brauereigeschichte<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1548553813960120\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\r\n\r\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1548553813960120&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM SONNENAUFGANG: IN DIESEM ALTEN HAUS BEGANN 1838 EINE D\u00dcSSELDORFER BIERGESCHICHTE, DIE BIS HEUTE WEITERLEBT Wer heute durch die Citadellstra\u00dfe geht, l\u00e4uft an einem der wichtigsten Orte der D\u00fcsseldorfer Brauereigeschichte beinahe unbemerkt vorbei. 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