{"id":35717,"date":"2026-10-20T15:00:15","date_gmt":"2026-10-20T13:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/20\/hirschbrauerei-vom-kleinen-hirschchen-zum-duesseldorfer-brauriesen-54259286\/"},"modified":"2026-10-20T15:00:15","modified_gmt":"2026-10-20T13:00:15","slug":"hirschbrauerei-vom-kleinen-hirschchen-zum-duesseldorfer-brauriesen-54259286","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/20\/hirschbrauerei-vom-kleinen-hirschchen-zum-duesseldorfer-brauriesen-54259286\/","title":{"rendered":"HIRSCHBRAUEREI: VOM KLEINEN HIRSCHCHEN ZUM D\u00dcSSELDORFER BRAURIESEN"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 HIRSCHBRAUEREI: VOM KLEINEN HIRSCHCHEN ZUM D\u00dcSSELDORFER BRAURIESEN<\/p>\n<p>Es gibt verschwundene D\u00fcsseldorfer Brauereien, deren Namen heute selbst vielen \u00e4lteren D\u00fcsseldorfern kaum noch etwas sagen. Bei der Hirschbrauerei ist das besonders erstaunlich. Denn dieses Unternehmen war nicht irgendein kleiner Betrieb am Rand der Stadt. An der Tu\u00dfmannstra\u00dfe stand einmal eine der bedeutenden D\u00fcsseldorfer Brauereien, deren Bier in unz\u00e4hligen Gastst\u00e4tten ausgeschenkt wurde und deren bekannteste Marke, D\u00fcssel-Alt, \u00fcber Jahrzehnte zum Stadtbild geh\u00f6rte. Ihre Geschichte beginnt allerdings nicht mit Fabrikhallen und Flaschenabf\u00fcllung, sondern mit einem kleinen Wirtshaus in Pempelfort.<\/p>\n<p>Schon im 18. Jahrhundert gab es in unmittelbarer N\u00e4he des J\u00e4gerhofs eine Wirtschaft \u201eIm Hirsch\u201c. 1836 er\u00f6ffnete Johann Conrad Fusbahn auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite eine Brauerei und Gastst\u00e4tte \u201eZum neuen Hirsch\u201c. Das niedrige Haus bekam im D\u00fcsseldorfer Volksmund schnell einen wesentlich liebevolleren Namen: Hirschchen. Dieser Name sollte die Jahrhunderte besser \u00fcberstehen als fast alles andere, was sp\u00e4ter aus der Brauerei hervorging.<\/p>\n<p>1868 \u00fcbernahm Joseph Lichtschlag die Bierbrauerei. Zeitgen\u00f6ssische Berichte beschreiben gem\u00fctliche Stuben, einen schattigen Garten und ein Publikum, das weit \u00fcber die unmittelbare Nachbarschaft hinausging. K\u00fcnstler aus dem Umfeld des Malkastens, Brauchtumsfreunde, B\u00fcrger und Honoratioren trafen sich dort zum oberg\u00e4rigen Bier. Im sogenannten Hirschpark, einem Zimmer des Hauses, hatten sich D\u00fcsseldorfer K\u00fcnstler sogar mit gro\u00dfformatigen Portr\u00e4ts und Karikaturen an den W\u00e4nden verewigt. Das Hirschchen war damit schon fr\u00fch mehr als eine Wirtschaft. Es war einer jener Orte, an denen D\u00fcsseldorfer Gesellschaft, Kunst und Bierkultur ganz selbstverst\u00e4ndlich ineinandergriffen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Stammhaus seinen Ruf als geselliger Treffpunkt festigte, ver\u00e4nderte sich jedoch das Braugewerbe grundlegend. D\u00fcsseldorf wuchs zur Gro\u00dfstadt, Bier wurde zunehmend in Flaschen verkauft und technische K\u00fchlung machte Produktionen m\u00f6glich, die mit einer klassischen Hausbrauerei kaum noch zu bew\u00e4ltigen waren. 1897 entstand deshalb mit Lichtschlag und dem Braumeister Georg Tiegelkamp die Hirschbrauerei Lichtschlag &amp; Co. an der Tu\u00dfmannstra\u00dfe. Aus dem Wirtshausbier entwickelte sich ein industrieller Braubetrieb. 1911 wurde das Unternehmen in die Hirschbrauerei AG umgewandelt.<\/p>\n<p>Der Standort an der Tu\u00dfmannstra\u00dfe 41 stand f\u00fcr eine v\u00f6llig andere Dimension des Brauens. Hier ging es nicht mehr nur darum, die eigene Gaststube zu versorgen. Die Hirschbrauerei verf\u00fcgte \u00fcber moderne Produktions- und K\u00fchltechnik, Flaschenabf\u00fcllung und erhebliche Lagerkapazit\u00e4ten. Neben Bier wurden zeitweise auch Malz, Eis und alkoholfreie Getr\u00e4nke hergestellt. Gerade die Eisproduktion war in einer Zeit, in der K\u00fchlschr\u00e4nke noch keineswegs selbstverst\u00e4ndlich waren, ein wichtiger Teil des Gesch\u00e4fts. \u00c4ltere Berichte erinnern an gro\u00dfe K\u00e4lteanlagen und Stangeneis, das von Brauereien und Gastwirten ben\u00f6tigt wurde.<\/p>\n<p>Auch bei den Biersorten zeigt die Hirschbrauerei, wie vielf\u00e4ltig die D\u00fcsseldorfer Bierwelt einmal war. Ihr bekanntestes Produkt wurde D\u00fcssel-Alt, ausdr\u00fccklich als oberg\u00e4riges Altbier beworben und mit dem Slogan \u201eDas Bier mit dem Radschl\u00e4ger\u201c eng an die Stadt gebunden. Daneben gab es jedoch West-Pils und Edelkristall Spezialbier. Eine erhaltene Werbung aus den 1950er-Jahren zeigt diese drei Marken nebeneinander. Damit haben wir erneut einen klaren Beleg daf\u00fcr, dass D\u00fcsseldorf historisch keineswegs nur dunkles oberg\u00e4riges Bier kannte. Alt, Pils und weitere Spezialbiere existierten selbstverst\u00e4ndlich nebeneinander.<\/p>\n<p>Besonders bedeutend wurde die Hirschbrauerei w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs. Rohstoffe wurden knapp, Kupferanlagen mussten abgegeben werden und viele kleine D\u00fcsseldorfer Brauereien standen vor dem Aus. Unter der F\u00fchrung von Jakob Hubert Paefgen schlossen sich 1917 insgesamt 24 kleinere Brauereien aus D\u00fcsseldorf und Neuss zur Kriegsbraugemeinschaft der oberg\u00e4rigen Brauereien zusammen. Das Bier wurde fortan gemeinsam in der Hirschbrauerei hergestellt, w\u00e4hrend die einzelnen H\u00e4user ihre Braurechte und damit ihre Selbstst\u00e4ndigkeit behielten.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenschluss ist ein Schl\u00fcsselkapitel der D\u00fcsseldorfer Biergeschichte. H\u00e4user wie Zum Schiffchen, Zur Sonne, Im Goldenen Ring, Zur Uel, die Goldene Rose, Heckhausen in Hamm und die Gebr\u00fcder Schmittmann in Niederkassel waren zeitweise Teil dieser Gemeinschaft. Einige nahmen sp\u00e4ter ihre eigene Produktion wieder auf, andere blieben angeschlossen oder verschwanden endg\u00fcltig. Die Hirschbrauerei wurde damit f\u00fcr Jahre zum technischen Herzen einer ganzen Gruppe D\u00fcsseldorfer Brauereien.<\/p>\n<p>Aus der Kriegsorganisation entwickelte sich sp\u00e4ter die Braugemeinschaft D\u00fcsseldorf. Die Hirschbrauerei \u00fcberstand Inflation, Wirtschaftskrise und schwierige Zwischenkriegsjahre \u2013 etwas, das vielen kleineren Wettbewerbern nicht gelang. Gleichzeitig wurde der Industriebetrieb weiter modernisiert. In den 1930er-Jahren geh\u00f6rte die Brauerei zu den etablierten Unternehmen der Stadt, w\u00e4hrend das alte Hirschchen weiterhin als gesellschaftlicher Treffpunkt bestand.<\/p>\n<p>Dann kam der Zweite Weltkrieg. Die Lage der Brauerei nahe dem G\u00fcterbahnhof wurde ihr zum Verh\u00e4ngnis. Das Areal lag in einem f\u00fcr die Kriegswirtschaft wichtigen Verkehrsraum und wurde bei Luftangriffen schwer getroffen. 1942 musste die Produktion eingestellt werden. Auch das Hirschchen wurde 1943 zerst\u00f6rt. Was \u00fcber Jahrzehnte gewachsen war, lag innerhalb kurzer Zeit in Tr\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Doch beide Geschichten gingen weiter. Im Hirschchen wurde zun\u00e4chst unter einfachsten Bedingungen improvisiert, bevor 1955 ein Neubau er\u00f6ffnet werden konnte. Die gro\u00dfe Brauerei wiederum nahm im Oktober 1948 den Betrieb wieder auf. In der jungen Bundesrepublik begann f\u00fcr D\u00fcssel-Alt noch einmal eine gro\u00dfe Zeit. Bier wurde wieder gebraucht \u2013 in Kneipen, auf Sch\u00fctzenfesten, im Karneval und bei den zahllosen Vereinsveranstaltungen einer Stadt, die ihren Alltag zur\u00fcckgewann.<\/p>\n<p>Die Hirschbrauerei verstand fr\u00fch, dass Bier nicht nur \u00fcber Geschmack verkauft wurde, sondern auch \u00fcber Zugeh\u00f6rigkeit. D\u00fcssel-Alt wurde mit D\u00fcsseldorf, Brauchtum und dem Radschl\u00e4ger verbunden. Leitende Pers\u00f6nlichkeiten der Brauerei engagierten sich in Sch\u00fctzenvereinen und im Karneval. Erich Paefgen wurde 1951 sogar D\u00fcsseldorfer Karnevalsprinz. Hirsch und sp\u00e4ter Schl\u00f6sser lieferten sich einen intensiven Wettbewerb um Gastst\u00e4tten, Festzelte und \u00f6ffentliche Sichtbarkeit. Wer in dieser Zeit durch D\u00fcsseldorf ging, begegnete Biermarken nicht nur an der Theke, sondern auf Fassaden, Leuchtreklamen, Fahrzeugen und Veranstaltungsschildern.<\/p>\n<p>Noch Ende der 1960er-Jahre warb die Hirschbrauerei mit \u201eMein. Dein. Unser D\u00fcssel-Alt\u201c und mehr als 70 Jahren Altbiertradition. Fass- und Flaschenbier wurden gleicherma\u00dfen angeboten. Der Name D\u00fcssel-Alt war fest etabliert, und mit West-Pils sowie Edelkristall besa\u00df das Unternehmen weiterhin eine breitere Produktwelt, als man sie heute mit einer D\u00fcsseldorfer Brauerei vielleicht erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Doch die deutsche Brauereilandschaft begann sich erneut zu ver\u00e4ndern. Gro\u00dfe Unternehmensgruppen gewannen Einfluss, kleinere und mittlere Brauereien verloren ihre Unabh\u00e4ngigkeit, und der Markt konzentrierte sich immer st\u00e4rker. Auch die Hirschbrauerei geriet in diesen Prozess. Beteiligungen wechselten, die wirtschaftliche Eigenst\u00e4ndigkeit schrumpfte, und 1974 endete schlie\u00dflich der eigene Braubetrieb an der Tu\u00dfmannstra\u00dfe.<\/p>\n<p>D\u00fcssel-Alt verschwand damit jedoch noch nicht sofort. Das Bier wurde im Lohnbrauverfahren weiter hergestellt, zeitweise unter anderem bei anderen Brauereien im Raum D\u00fcsseldorf. 1996 \u00fcbernahm Peters &amp; Bambach ma\u00dfgebliche Anteile der Hirschbrauerei. Sp\u00e4ter wanderte die Produktion nach Monheim. Noch einmal sollte die alte D\u00fcsseldorfer Marke weiterleben, doch die gro\u00dfe Zeit war l\u00e4ngst vorbei. Anfang der 2000er-Jahre endete schlie\u00dflich auch diese Geschichte.<\/p>\n<p>Heute erinnert an den einstigen Industriebetrieb nur noch wenig. Die gro\u00dfen Produktionsanlagen an der Tu\u00dfmannstra\u00dfe sind verschwunden, D\u00fcssel-Alt findet man allenfalls noch auf alten Bierdeckeln, Gl\u00e4sern, Emailschildern oder in Sammlungen. Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet der \u00e4lteste und kleinste Name \u00fcberlebt hat: das Hirschchen. An Alt-Pempelfort besteht bis heute ein Brauereiausschank dieses Namens und h\u00e4lt damit zumindest ein St\u00fcck jener Geschichte lebendig, die einst mit einem niedrigen Wirtshaus begann und sp\u00e4ter in einer gro\u00dfen D\u00fcsseldorfer Brauerei m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das die eigentliche Tragik und zugleich die Sch\u00f6nheit dieser Geschichte. Aus einem kleinen Hirschchen wurde eine Industrieanlage, aus einem lokalen oberg\u00e4rigen Bier wurde D\u00fcssel-Alt mit \u00fcberregionalem Vertrieb \u2013 und am Ende verschwand die gro\u00dfe Brauerei, w\u00e4hrend der alte Kneipenname blieb.<\/p>\n<p>Jetzt seid ihr gefragt: Wer erinnert sich noch an D\u00fcssel-Alt? Wer hat West-Pils oder Edelkristall getrunken? Wer kannte die Brauerei an der Tu\u00dfmannstra\u00dfe oder jemanden, der dort gearbeitet hat? Und gibt es bei euch noch originale Gl\u00e4ser, Etiketten, Bierdeckel, Leuchtreklamen oder Fotos?<\/p>\n<p>Gerade bei der Hirschbrauerei d\u00fcrfte D\u00fcsseldorf noch eine ganze Menge Erinnerungen in Kellern, Schr\u00e4nken und Fotoalben versteckt haben.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #Hirschbrauerei #D\u00fcsselAlt #Pempelfort #Altbier #Brauereigeschichte #D\u00fcsseldorfDamals<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1545562154259286\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1545562154259286&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 HIRSCHBRAUEREI: VOM KLEINEN HIRSCHCHEN ZUM D\u00dcSSELDORFER BRAURIESEN Es gibt verschwundene D\u00fcsseldorfer Brauereien, deren Namen heute selbst vielen \u00e4lteren D\u00fcsseldorfern kaum noch etwas sagen. 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