{"id":35649,"date":"2026-10-18T15:00:28","date_gmt":"2026-10-18T13:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/18\/im-goldenen-ring-fast-500-jahre-am-burgplatz-und-eine-97813345\/"},"modified":"2026-10-18T15:00:28","modified_gmt":"2026-10-18T13:00:28","slug":"im-goldenen-ring-fast-500-jahre-am-burgplatz-und-eine-97813345","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/18\/im-goldenen-ring-fast-500-jahre-am-burgplatz-und-eine-97813345\/","title":{"rendered":"IM GOLDENEN RING: FAST 500 JAHRE AM BURGPLATZ \u2013 UND EINE\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM GOLDENEN RING: FAST 500 JAHRE AM BURGPLATZ \u2013 UND EINE BRAUEREIGESCHICHTE MIT VIELEN WENDELINIEN<\/p>\n<p>Wenn man heute am Burgplatz vor dem Goldenen Ring sitzt, den Schlossturm im R\u00fccken und den Rhein nur wenige Schritte entfernt, befindet man sich an einem Ort, dessen Geschichte beinahe so alt ist wie das D\u00fcsseldorf, das wir kennen. Seit 1536 wird der Name \u201eGoldener Ring\u201c mit diesem Platz verbunden. Doch gerade bei einem Haus mit fast f\u00fcnf Jahrhunderten Vergangenheit lohnt es sich, genauer hinzusehen: Nicht alles, was heute gern unter \u201e\u00e4ltestes Brauhaus D\u00fcsseldorfs\u201c zusammengefasst wird, bedeutet automatisch, dass hier seit 1536 ohne Unterbrechung Bier gebraut wurde. Historisch sicher belegen l\u00e4sst sich eine sehr lange Gastst\u00e4ttentradition \u2013 und sp\u00e4testens im 19. und 20. Jahrhundert auch eine echte Brauereigeschichte.<\/p>\n<p>Der Name selbst stammt aus einer Zeit, in der H\u00e4user noch keine Nummern trugen. Stattdessen hatten sie Namen und Zeichen: Goldener Ring, Goldene Kette, Goldenes Schwert oder Goldenes Waldhorn. Wer \u201ezum Goldenen Ring\u201c ging, brauchte keine Adresse. Jeder wusste, welches Haus gemeint war. Der heutige Burgplatz war damals noch unmittelbar vom D\u00fcsseldorfer Schloss gepr\u00e4gt, dessen Schlossturm als letzter gro\u00dfer Rest bis heute neben dem Haus steht.<\/p>\n<p>Aus den folgenden Jahrhunderten sind immer wieder Besitzer des Hauses \u00fcberliefert. Nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg wird der Jurist Bertram Pontius genannt, im 18. Jahrhundert der Hofkammerrat de Roy und sp\u00e4ter ein Postsekret\u00e4r Meyer. Das zeigt, wie lange der Ort bereits Teil des b\u00fcrgerlichen Lebens am Burgplatz war. Ob in all diesen Jahrhunderten tats\u00e4chlich durchgehend gebraut wurde, l\u00e4sst sich allerdings nicht seri\u00f6s behaupten. Die heutige Selbstdarstellung f\u00fchrt die Brauhausgeschichte bis 1536 zur\u00fcck; f\u00fcr einen kontinuierlichen Braubetrieb seit diesem Jahr fehlen jedoch belastbare Belege.<\/p>\n<p>Deutlich fester wird der historische Boden im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Seit 1896 befindet sich das Haus im Besitz der Familie Kampes. Damit beginnt eine Familiengeschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Fritz beziehungsweise sp\u00e4ter Richard Kampes machten den Goldenen Ring zu einem der bekanntesten gro\u00dfen Gasth\u00e4user der Altstadt. Aus dieser Zeit stammen auch eindeutige Belege daf\u00fcr, dass der Goldene Ring nicht nur Ausschank, sondern tats\u00e4chlich Brauerei war.<\/p>\n<p>Ein Brauereiverzeichnis aus dem fr\u00fchen 20. Jahrhundert f\u00fchrt ausdr\u00fccklich \u201eRichard Kampes, Brauerei zum goldenen Ring, Burgplatz 22\u201c. Als Gr\u00fcndungsjahr der Brauerei wird dort 1704 genannt, 1913 erscheint als Jahr einer betrieblichen Umgestaltung. Genannt werden au\u00dferdem Braumeister Heinrich Bremer sowie eigener Motor- und Feuerkesselbetrieb. Sp\u00e4testens hier ist klar: Wir reden nicht nur \u00fcber eine Gastst\u00e4tte mit traditionsreichem Namen, sondern \u00fcber einen realen Braubetrieb.<\/p>\n<p>Auch in D\u00fcsseldorfer Adress- und Heimatquellen taucht das Haus immer wieder ausdr\u00fccklich als \u201eBrauerei Im Goldenen Ring\u201c auf. Eine Anzeige von 1933 nennt Richard Kampes als Inhaber. 1955 und 1956 wirbt die Witwe Richard Kampes weiterhin mit genau dieser Bezeichnung am Burgplatz 21\u201322.<\/p>\n<p>Besonders interessant ist die Zeit des Ersten Weltkriegs. 1917 schlossen sich 24 kleinere oberg\u00e4rige Brauereien aus D\u00fcsseldorf und Neuss zu einer Kriegsbraugemeinschaft zusammen. Hintergrund waren Rohstoffknappheit und staatliche Eingriffe, die viele kleine Betriebe in ihrer Existenz bedrohten. Die gemeinsame Bierherstellung wurde in der Hirschbrauerei organisiert, ohne dass die angeschlossenen H\u00e4user ihr Braurecht und ihre Selbstst\u00e4ndigkeit verlieren sollten.<\/p>\n<p>Der Goldene Ring geh\u00f6rte zu dieser Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Noch 1941 wird er gemeinsam mit H\u00e4usern wie Zum Schiffchen, Zur Sonne, Zur Uel, Zur Goldenen Rose und den Gebr\u00fcdern Schmittmann als angeschlossene Brauerei genannt. Das ist f\u00fcr unsere Serie besonders wichtig, weil dadurch auch die Art des Bieres klarer wird: Es handelte sich um die Gemeinschaft der oberg\u00e4rigen Brauereien. Der Goldene Ring geh\u00f6rte also eindeutig in die D\u00fcsseldorfer oberg\u00e4rige Biertradition, aus der sich das heutige Altbierverst\u00e4ndnis entwickelt hat.<\/p>\n<p>Eine l\u00fcckenlose historische Sortenkarte des Hauses haben wir allerdings bislang nicht gefunden. Wir k\u00f6nnen deshalb nicht behaupten, dass dort zu bestimmten Zeiten zus\u00e4tzlich eigenes Helles, Pils, Export oder Bock gebraut wurde. Sicher ist das oberg\u00e4rige Bier.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wird die Sortenvielfalt im Ausschank jedoch sichtbar.<\/p>\n<p>Eine Anzeige aus dem Jahr 1968 bezeichnet den Goldenen Ring weiterhin als \u00e4lteste Hausbrauerei und Gastst\u00e4tte D\u00fcsseldorfs und wirbt ausdr\u00fccklich mit \u201eoberg\u00e4rigem Altbier direkt vom Fass\u201c. Gleichzeitig standen Schwabenbr\u00e4u Export und Bitburger Pils auf dem Programm. Das ist wieder eines jener sch\u00f6nen Details unserer Serie: Auch ein traditionsreiches D\u00fcsseldorfer Altbierhaus lebte keineswegs in einer Welt, in der ausschlie\u00dflich Alt getrunken wurde. Export und Pils geh\u00f6rten selbstverst\u00e4ndlich zum Angebot \u2013 auch wenn sie nicht im Goldenen Ring selbst gebraut worden sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg setzte dieser alten Welt beinahe ein Ende.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude wurde schwer zerst\u00f6rt. Anfang der 1950er-Jahre lie\u00df die Familie Kampes den Goldenen Ring wiederaufbauen. 1953 konnten die D\u00fcsseldorfer Jonges dort ein neues Vereinsheim beziehen. Richard Kampes hatte seit der Gr\u00fcndung der Jonges zu deren Umfeld geh\u00f6rt; nach seinem Tod f\u00fchrte seine Frau Gertrud beziehungsweise Traudchen Kampes die Verbindung weiter. \u00dcber Jahrzehnte war der Goldene Ring deshalb nicht nur Brauhaus und Gastst\u00e4tte, sondern auch Heimat f\u00fcr Vereine, Heimatfreunde, Kegelclubs und unz\u00e4hlige Stammtische.<\/p>\n<p>Diese gesellschaftliche Funktion l\u00e4sst sich kaum \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Ein D\u00fcsseldorfer Brauhaus war nie nur der Ort, an dem Bier ausgeschenkt wurde. Hier wurden Vereinsvorst\u00e4nde gew\u00e4hlt, Karneval geplant, Sch\u00fctzenfeste vorbereitet, politische Debatten gef\u00fchrt, Gesch\u00e4fte besprochen und Freundschaften gepflegt. Im Goldenen Ring kamen diese Funktionen in besonders konzentrierter Form zusammen. Seine Lage direkt am Rathaus, am Schlossturm und am Rhein machte ihn gewisserma\u00dfen zu einem Wohnzimmer der Altstadt.<\/p>\n<p>Mit der Zeit wandelte sich jedoch auch dieses Haus von einer eigenen Brauerei zum Brauereiausschank.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg pr\u00e4gte vor allem Schl\u00f6sser den Goldenen Ring \u00fcber viele Jahrzehnte. 2005 wurde der Ausschank noch einmal umfassend renoviert und mit Schl\u00f6sser Alt neu er\u00f6ffnet. Wenige Jahre sp\u00e4ter wechselte die Bierbindung: 2008 \u00fcbernahm Frankenheim die Rolle als Brauereipartner und P\u00e4chter. Damit kam eine weitere gro\u00dfe D\u00fcsseldorfer Biermarke an den Burgplatz.<\/p>\n<p>Auch heute ist die historische Bezeichnung \u201eBrauhaus\u201c geblieben, tats\u00e4chlich wird jedoch nicht mehr im Geb\u00e4ude selbst gebraut. Nach einer achtmonatigen Sanierung \u00f6ffnete der Goldene Ring im August 2024 wieder. Aktuell werden unter anderem Frankenheim Alt, Warsteiner Pils, Oberbr\u00e4u Hell und K\u00f6nig Ludwig Wei\u00dfbier ausgeschenkt. Gerade diese heutige Auswahl passt erstaunlich gut zur Geschichte unserer Serie: dunkles Alt, helles Lagerbier, Pils und Wei\u00dfbier stehen selbstverst\u00e4ndlich nebeneinander.<\/p>\n<p>Und vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis dieses Hauses.<\/p>\n<p>Der Goldene Ring erz\u00e4hlt nicht nur eine Geschichte von Altbier. Er erz\u00e4hlt von fast f\u00fcnf Jahrhunderten D\u00fcsseldorfer Gastlichkeit, von Hausnamen statt Hausnummern, vom eigenen Braubetrieb, von der oberg\u00e4rigen Braugemeinschaft, von Kriegszerst\u00f6rung und Wiederaufbau, von Schl\u00f6sser und Frankenheim \u2013 und von einer Bierstadt, deren tats\u00e4chliche Vielfalt viel gr\u00f6\u00dfer war, als wir sie heute oft erinnern.<\/p>\n<p>Das Haus selbst ist dabei geblieben.<\/p>\n<p>Noch immer sitzt man am Burgplatz. Noch immer schaut der Schlossturm her\u00fcber. Noch immer steht ein Bier auf dem Tisch und Menschen reden miteinander.<\/p>\n<p>Fast 500 Jahre D\u00fcsseldorfer Geschichte k\u00f6nnen manchmal erstaunlich unspektakul\u00e4r aussehen.<\/p>\n<p>Sie passen in ein kleines Glas.<\/p>\n<p>Und jetzt seid ihr gefragt: Wer kennt den Goldenen Ring noch als Schl\u00f6sser-Ausschank? Wer war dort bei den Jonges, beim Kegeln, beim Karneval oder einfach an einem langen Sommerabend auf dem Burgplatz? Gibt es alte Gl\u00e4ser, Bierdeckel, Fotos oder Erinnerungen an das fr\u00fcher dort ausgeschenkte Bier?<\/p>\n<p>Und vielleicht wei\u00df sogar jemand noch etwas aus der Zeit, als der Goldene Ring tats\u00e4chlich eine eigene Brauerei war.<\/p>\n<p>Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare. Gerade bei einem Haus mit fast f\u00fcnf Jahrhunderten Geschichte d\u00fcrfte D\u00fcsseldorf noch einiges zu erz\u00e4hlen haben.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #GoldenerRing #Burgplatz #Altbier #Brauereigeschichte #D\u00fcsseldorfDamals #Stadtgeschichte<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1543354897813345\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1543354897813345&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM GOLDENEN RING: FAST 500 JAHRE AM BURGPLATZ \u2013 UND EINE BRAUEREIGESCHICHTE MIT VIELEN WENDELINIEN Wenn man heute am Burgplatz vor dem Goldenen Ring sitzt, den Schlossturm im R\u00fccken und den Rhein nur wenige Schritte entfernt, befindet man sich an einem Ort, dessen Geschichte beinahe so alt ist wie das D\u00fcsseldorf, das wir kennen. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":35650,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-35649","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-duesseldorf4you","d4yni-imported"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35649","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35649"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35649\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35649"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}