{"id":35618,"date":"2026-10-17T15:00:20","date_gmt":"2026-10-17T13:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/17\/im-goldenen-kessel-als-auf-der-bolkerstrasse-noch-selbst-gebraut-wurde-37910981\/"},"modified":"2026-10-17T15:00:20","modified_gmt":"2026-10-17T13:00:20","slug":"im-goldenen-kessel-als-auf-der-bolkerstrasse-noch-selbst-gebraut-wurde-37910981","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/17\/im-goldenen-kessel-als-auf-der-bolkerstrasse-noch-selbst-gebraut-wurde-37910981\/","title":{"rendered":"IM GOLDENEN KESSEL: ALS AUF DER BOLKERSTRASSE NOCH SELBST GEBRAUT WURDE"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM GOLDENEN KESSEL: ALS AUF DER BOLKERSTRASSE NOCH SELBST GEBRAUT WURDE<\/p>\n<p>Wer heute in den Goldenen Kessel auf der Bolkerstra\u00dfe 44 geht, bestellt Schumacher Alt und sitzt in einem der bekanntesten Brauereiaussch\u00e4nke der D\u00fcsseldorfer Altstadt. Viele wissen, dass das Haus zu Schumacher geh\u00f6rt. Deutlich weniger bekannt ist jedoch, dass der Goldene Kessel selbst einmal eine eigenst\u00e4ndige Brauerei war \u2013 mit eigenem Sudbetrieb mitten auf der Bolkerstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Hauses reicht weiter zur\u00fcck als die Verbindung zu Schumacher. Bereits im 19. Jahrhundert befand sich an der heutigen Nummer 44 eine Gastwirtschaft, die sp\u00e4ter zur Gasthofbrauerei ausgebaut wurde. Ende des Jahrhunderts geh\u00f6rte sie Carl Mentzen. Damit war der Goldene Kessel Teil jener beinahe verschwundenen D\u00fcsseldorfer Welt, in der in zahlreichen Gastst\u00e4tten nicht nur ausgeschenkt, sondern unmittelbar hinter oder unter den Gastr\u00e4umen auch gebraut wurde.<\/p>\n<p>1902 \u00e4nderte sich die Geschichte des Hauses grundlegend. Ferdinand Schumacher II., Sohn von Ferdinand Schumacher I., kaufte die Bierbrauerei und Gastst\u00e4tte Goldener Kessel von seinem Onkel Carl Mentzen. Sein Bruder Fritz hatte im selben Jahr die elterliche Schumacher-Brauerei an der Oststra\u00dfe \u00fcbernommen. F\u00fcr einige Jahre existierten damit zwei eng miteinander verbundene Schumacher-Braust\u00e4tten in D\u00fcsseldorf: die gro\u00dfe Familienbrauerei an der Oststra\u00dfe und der Goldene Kessel mitten in der Altstadt.<\/p>\n<p>Ferdinand II. blieb nicht bei der vorhandenen Gastst\u00e4tte stehen. Auch das benachbarte Haus Bolkerstra\u00dfe 46 kam hinzu, die Geb\u00e4ude wurden umgebaut und der Braubetrieb modernisiert. Im Nachbarhaus entstand unter anderem das kleine Kesselst\u00fcbchen. Wer damals \u00fcber die Bolkerstra\u00dfe ging, betrat also nicht nur einen Ausschank, sondern eine echte Altstadtbrauerei.<\/p>\n<p>Was dort vor der \u00dcbernahme durch Schumacher genau im Glas landete, k\u00f6nnen wir heute leider nicht vollst\u00e4ndig rekonstruieren. F\u00fcr die Zeit Carl Mentzens ist bislang keine belastbare Sortenliste aufgetaucht. Deshalb w\u00e4re es unseri\u00f6s, dem Goldenen Kessel r\u00fcckwirkend einfach Alt, Helles, Lager oder Bock zuzuschreiben. Sicher ist dagegen, dass nach der \u00dcbernahme das oberg\u00e4rige Bier der Familie Schumacher auch hier gebraut wurde \u2013 also jene Brautradition, aus der das heutige Schumacher Alt hervorgegangen ist.<\/p>\n<p>Gerade dieser Punkt ist f\u00fcr unsere Serie wichtig. Nicht jede alte D\u00fcsseldorfer Brauerei hinterlie\u00df eine sauber erhaltene Getr\u00e4nkekarte oder ein vollst\u00e4ndiges Etikettenarchiv. Oft kennen wir Geb\u00e4ude, Besitzer und Brautechnik wesentlich besser als die konkrete Sortenpalette. Beim Goldenen Kessel wissen wir aber: Bis 1925 wurde an der Bolkerstra\u00dfe tats\u00e4chlich gebraut. Erst danach wurde das Haus zu dem, was es im Kern heute noch ist \u2013 ein Brauereiausschank.<\/p>\n<p>Zuvor war allerdings noch einmal einiges passiert. 1919 kaufte Ferdinand Schumacher II. seinem Bruder Fritz die Brauerei an der Oststra\u00dfe ab. Das Schumacher-Unternehmen wurde damit wieder unter einer Leitung zusammengef\u00fchrt. Wenige Jahre sp\u00e4ter platzten Brauerei und Gaststuben dort aus allen N\u00e4hten. 1924 kaufte man das Nachbargrundst\u00fcck Oststra\u00dfe 125 hinzu und erweiterte die Produktionsanlage erheblich.<\/p>\n<p>Nach Abschluss dieser Arbeiten war die Entscheidung gefallen: Der eigentliche Braubetrieb wurde auf der Oststra\u00dfe konzentriert. 1925 endete das Brauen im Goldenen Kessel.<\/p>\n<p>Damit verschwand zwar der Sudkessel aus der Bolkerstra\u00dfe, aber keineswegs das Bier. Fortan wurde der Goldene Kessel als Schumacher-Brauereiausschank weitergef\u00fchrt und von der Oststra\u00dfe beliefert. Diese Trennung zwischen Produktionsst\u00e4tte und traditionsreichem Ausschank pr\u00e4gt das Haus bis heute.<\/p>\n<p>Doch der Goldene Kessel ist nicht nur wegen seiner Biergeschichte bemerkenswert. In seinen R\u00e4umen wurde auch ein kleines St\u00fcck D\u00fcsseldorfer Universit\u00e4tsgeschichte geschrieben.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1919 trafen sich hier D\u00fcsseldorfer Medizinstudierende, darunter Erna Schlossmann, die sp\u00e4tere Kinder\u00e4rztin Erna Eckstein-Schlossmann. Nach dem Ersten Weltkrieg wollten sie erreichen, dass in D\u00fcsseldorf wieder ein vollst\u00e4ndiger klinischer Studienabschnitt m\u00f6glich wurde. Im Goldenen Kessel entstand eine Denkschrift beziehungsweise ein studentischer Antrag an die zust\u00e4ndigen Stellen. Noch im Juli 1919 erhielt die Akademie f\u00fcr praktische Medizin die Genehmigung f\u00fcr klinischen Unterricht und das Staatsexamen. Aus dieser Entwicklung ging wenige Jahre sp\u00e4ter die Medizinische Akademie hervor \u2013 eine wichtige Vorstufe der heutigen Heinrich-Heine-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Seit 1968 erinnert eine Gedenktafel am Haus an diese Versammlung.<\/p>\n<p>Auch Heinrich Heine begegnet einem im Goldenen Kessel. Nach der \u00dcberlieferung des Hauses wurde hier die erste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche B\u00fcste des in D\u00fcsseldorf geborenen Dichters aufgestellt. Bis heute schaut Heine gewisserma\u00dfen auf das Treiben in der Gaststube. Kunst, Medizin, Brauchtum und Bier \u2013 im Goldenen Kessel lagen sie erstaunlich dicht beieinander.<\/p>\n<p>Dann kam der Krieg.<\/p>\n<p>Am 10. September 1942 wurde der Goldene Kessel bei einem Bombenangriff vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Wenige Monate sp\u00e4ter traf es auch das Schumacher-Stammhaus an der Oststra\u00dfe schwer; dort blieb zumindest die eigentliche Brauerei weitgehend erhalten. F\u00fcr die Bolkerstra\u00dfe bedeutete der Angriff dagegen das Ende des historischen Hauses.<\/p>\n<p>Doch D\u00fcsseldorf baute wieder auf.<\/p>\n<p>1948 entstand zun\u00e4chst ein provisorischer Goldener Kessel. Zehn Jahre sp\u00e4ter, 1958, wurde daraus ein vollst\u00e4ndiger Neubau, der die Grundst\u00fccke Bolkerstra\u00dfe 44 und 46 wieder zu einem gemeinsamen Gastronomiebetrieb verband. Dieses Haus bildet im Wesentlichen die Grundlage des heutigen Goldenen Kessels, auch wenn es sp\u00e4ter mehrfach modernisiert wurde \u2013 unter anderem 1994 und nochmals umfassend 2007.<\/p>\n<p>Und das Bier?<\/p>\n<p>Heute wird hier weiterhin Schumacher Alt ausgeschenkt, das klassische oberg\u00e4rige Hausbier mit 4,6 Prozent Alkohol. Dazu kommt das 1838er, seit 2013 eine modernere, st\u00e4rker aromengehopfte Interpretation des Altbiers mit 5,0 Prozent. Dreimal j\u00e4hrlich \u2013 im M\u00e4rz, September und November \u2013 gibt es au\u00dferdem das kr\u00e4ftigere Latzenbier mit 5,5 Prozent. Bis 2013 geh\u00f6rte auch das deutlich leichtere Schumacher Jung zur Bierfamilie.<\/p>\n<p>Diese Sorten werden allerdings l\u00e4ngst nicht mehr im Goldenen Kessel gebraut. Der Sud entsteht im Stammhaus an der Oststra\u00dfe. Wenn im November beim Latzenbier im Kessel die Gl\u00e4ser \u00fcber die blanken Tische wandern, lebt deshalb eine alte Verbindung weiter: gebraut wird woanders, aber getrunken wird an einem Ort, der selbst einmal Brauerei war.<\/p>\n<p>2002 feierte der Goldene Kessel sein hundertj\u00e4hriges Jubil\u00e4um als Schumacher-Haus. Damit geh\u00f6rt er mittlerweile l\u00e4nger zur Familie Schumacher, als viele andere D\u00fcsseldorfer Brauereien \u00fcberhaupt existierten.<\/p>\n<p>Vielleicht ist genau das das Faszinierende an diesem Ort. Der Goldene Kessel hat seine Funktion mehrfach ver\u00e4ndert, ohne seine Seele zu verlieren. Erst Gasthaus, dann Gasthofbrauerei, anschlie\u00dfend Schumacher-Brauerei, sp\u00e4ter reiner Brauereiausschank. Er wurde zerst\u00f6rt, provisorisch wiederer\u00f6ffnet, neu gebaut und modernisiert \u2013 und trotzdem steht auf der Bolkerstra\u00dfe noch immer ein Haus, in dem D\u00fcsseldorfer zusammenr\u00fccken, der K\u00f6bes die n\u00e4chste Runde bringt und ein kleiner Strich auf dem Bierdeckel aus einem Alt irgendwann drei macht.<\/p>\n<p>Und jetzt wollen wir eure Erinnerungen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wer kennt den Goldenen Kessel noch aus den 1950er-, 60er- oder 70er-Jahren? Wer erinnert sich an Schumacher Jung? Wer war schon bei einer Latzenbier-Runde dabei? Und gibt es in euren Familien vielleicht sogar noch Geschichten aus der Zeit, als auf der Bolkerstra\u00dfe tats\u00e4chlich gebraut wurde?<\/p>\n<p>Vielleicht besitzt jemand alte Fotos, Bierdeckel, Gl\u00e4ser, Speisekarten oder Aufnahmen des Goldenen Kessels vor dem Krieg.<\/p>\n<p>Zeigt sie uns und erz\u00e4hlt die Geschichten dahinter.<\/p>\n<p>Denn manchmal sitzt man mitten in D\u00fcsseldorf an einem Tisch \u2013 und merkt gar nicht, wie viel Stadtgeschichte darunter liegt.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #GoldenerKessel #SchumacherAlt #Bolkerstra\u00dfe #Altbier #Brauereigeschichte #D\u00fcsseldorfDamals<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1542378537910981\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1542378537910981&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 IM GOLDENEN KESSEL: ALS AUF DER BOLKERSTRASSE NOCH SELBST GEBRAUT WURDE Wer heute in den Goldenen Kessel auf der Bolkerstra\u00dfe 44 geht, bestellt Schumacher Alt und sitzt in einem der bekanntesten Brauereiaussch\u00e4nke der D\u00fcsseldorfer Altstadt. 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