{"id":35473,"date":"2026-10-14T15:01:09","date_gmt":"2026-10-14T13:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/14\/gatzweiler-als-aus-einer-altbierfamilie-eine-der-groessten-brauereien-duesseldorfs-wurde-88204346\/"},"modified":"2026-10-14T15:01:09","modified_gmt":"2026-10-14T13:01:09","slug":"gatzweiler-als-aus-einer-altbierfamilie-eine-der-groessten-brauereien-duesseldorfs-wurde-88204346","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/14\/gatzweiler-als-aus-einer-altbierfamilie-eine-der-groessten-brauereien-duesseldorfs-wurde-88204346\/","title":{"rendered":"GATZWEILER: ALS AUS EINER ALTBIERFAMILIE EINE DER GR\u00d6SSTEN BRAUEREIEN D\u00dcSSELDORFS WURDE"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 GATZWEILER: ALS AUS EINER ALTBIERFAMILIE EINE DER GR\u00d6SSTEN BRAUEREIEN D\u00dcSSELDORFS WURDE<\/p>\n<p>Wer in D\u00fcsseldorf in den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren gro\u00df geworden ist, musste Gatzweiler nicht suchen. Gatz war einfach da. Auf Bierdeckeln, Reklameschildern und Stra\u00dfenbahnen, in Kneipen, Vereinsheimen und bei Sch\u00fctzenfesten. Das Altbier geh\u00f6rte so selbstverst\u00e4ndlich zum Stadtbild, dass heute fast vergessen ist, wie gro\u00df die Brauerei dahinter einmal war. Auf ihrem H\u00f6hepunkt verkaufte sie mehr als eine halbe Million Hektoliter im Jahr. Gebraut wurde mitten in Heerdt, dort, wo heute vom damaligen Brauereialltag kaum noch etwas zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte beginnt allerdings nicht in einer modernen Fabrik, sondern mit einer Familie, deren Verbindung zum Brauwesen weit zur\u00fcckreicht. Die Hausbrauerei Zum Schl\u00fcssel f\u00fchrt die Brautradition der Familie Gatzweiler bis ins Jahr 1313 zur\u00fcck. Ein zeitgen\u00f6ssisches Portr\u00e4t \u00fcber Carl Gatzweiler aus den D\u00fcsseldorfer Heimatbl\u00e4ttern erz\u00e4hlt, dass bereits sein Gro\u00dfvater eine kleine Landbrauerei in Bergheim am Niederrhein betrieb und die n\u00e4chste Generation den Betrieb nach Neuss verlegte. Dort erwarb sich die Familie einen Namen als Brauerfamilie, bevor Carl Gatzweiler den entscheidenden Schritt nach D\u00fcsseldorf machte.<\/p>\n<p>1936 \u00fcbernahmen Carl Gatzweiler, seine Frau Maria und die S\u00f6hne Simon und Jakob die Hausbrauerei Zum Schl\u00fcssel auf der Bolkerstra\u00dfe. Das war kein beil\u00e4ufiger Erwerb irgendeiner Gastst\u00e4tte. Das Haus hatte bereits seine eigene lange Braugeschichte. Der Geb\u00e4udekomplex ist seit dem 17. Jahrhundert belegt, seit 1850 wurde dort nachweislich gebraut, und 1913 hatte die Gastst\u00e4tte den Namen Zum Schl\u00fcssel angenommen. Die Familie Gatzweiler investierte erheblich in Brauerei und Gastr\u00e4ume und er\u00f6ffnete den renovierten Betrieb am Martinstag 1938 wieder.<\/p>\n<p>Damit beginnt die eigentliche D\u00fcsseldorfer Gatzweiler-Geschichte.<\/p>\n<p>Im Schl\u00fcssel wurde das traditionelle oberg\u00e4rige D\u00fcsseldorfer Bier gebraut und ausgeschenkt. Doch die Familie erkannte, dass sich Bier l\u00e4ngst nicht mehr ausschlie\u00dflich \u00fcber den Ausschank im eigenen Brauhaus verkaufen lie\u00df. D\u00fcsseldorf wuchs, der Handel ver\u00e4nderte sich und Flaschenbier wurde immer wichtiger. Neben dem st\u00e4rker an das Stammhaus gebundenen Schl\u00fcssel Alt entwickelte sich deshalb Gatzweilers Alt zu einer eigenen Marke f\u00fcr einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Markt.<\/p>\n<p>Dieser Unterschied ist wichtig. Schl\u00fcssel und Gatzweiler waren miteinander verwandt, aber nicht dasselbe Bier mit einem anderen Etikett. Schl\u00fcssel blieb die Marke des Altstadtbrauhauses. Gatzweilers Alt \u2013 sp\u00e4ter fast nur noch Gatz genannt \u2013 wurde zum Bier f\u00fcr Gastronomie, Handel und \u00fcberregionalen Vertrieb. Aus einer traditionellen Hausbrauerei heraus entstand damit eine zweite, industrielle Erfolgsgeschichte.<\/p>\n<p>Carl Gatzweiler erlebte deren ganz gro\u00dfen Durchbruch nicht mehr. Er starb 1953 im Alter von 70 Jahren. Die D\u00fcsseldorfer Heimatbl\u00e4tter zeichneten damals das Bild eines eher zur\u00fcckhaltenden Brauers, dem Familie und der gute Ruf seines Hauses besonders wichtig gewesen seien. Seine S\u00f6hne Simon und Jakob f\u00fchrten das Unternehmen weiter \u2013 und machten daraus in wenigen Jahren eine Brauerei ganz anderer Gr\u00f6\u00dfenordnung.<\/p>\n<p>Der Wendepunkt kam 1963.<\/p>\n<p>In D\u00fcsseldorf-Heerdt entstand eine neue Gro\u00dfbrauerei. Der B\u00fcrgerverein Heerdt beschreibt sie r\u00fcckblickend als eine der modernsten Brauereien Europas. Allein diese Formulierung zeigt, welche Dimension der Neubau damals hatte. Das war keine romantische Hausbrauerei mit einigen Kupferkesseln hinter der Gaststube, sondern ein industrieller Produktionsbetrieb mit moderner Technik, gro\u00dfen Lagerkapazit\u00e4ten und einer Infrastruktur, die darauf ausgelegt war, D\u00fcsseldorf und weit dar\u00fcber hinaus mit Bier zu versorgen.<\/p>\n<p>Und die Zahlen erz\u00e4hlen, wie explosionsartig das Gesch\u00e4ft wuchs.<\/p>\n<p>1963 lag der Aussto\u00df bei rund 35.000 Hektolitern. Bereits 1964 waren es 50.000. 1967 erreichte Gatzweiler die Marke von 100.000 Hektolitern. Innerhalb von nur vier Jahren hatte sich die Produktion damit nahezu verdreifacht. 1977 folgte der historische H\u00f6hepunkt mit rund 530.000 Hektolitern.<\/p>\n<p>Das sind 53 Millionen Liter Bier in einem einzigen Jahr.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens jetzt war Gatzweiler keine D\u00fcsseldorfer Hausbrauerei mehr, die zuf\u00e4llig etwas gr\u00f6\u00dfer geworden war. Das Unternehmen geh\u00f6rte zu den bedeutenden Altbierproduzenten seiner Zeit. Gatzweilers Alt wurde nicht nur im Rheinland getrunken, sondern bundesweit und auch im benachbarten Ausland verkauft. Noch 1984 schrieb die D\u00fcsseldorfer Heimatzeitschrift \u00fcber mehr als 500.000 Hektoliter Absatz und dar\u00fcber, dass die Marke weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus Freunde gefunden habe.<\/p>\n<p>Dazu kam eine Werbepr\u00e4senz, an die sich viele D\u00fcsseldorfer noch erinnern d\u00fcrften. Gatzweilers Alt fuhr gewisserma\u00dfen durch die Stadt: Stra\u00dfenbahnen trugen gro\u00dffl\u00e4chige Gatz-Werbung, Reklameschilder hingen an Gastst\u00e4tten, gr\u00fcne Gl\u00e4ser und Bierdeckel lagen auf unz\u00e4hligen Theken. Auf alten Fassaden findet sich die Werbung teilweise noch Jahrzehnte sp\u00e4ter als sogenanntes Ghost Sign.<\/p>\n<p>Geschmacklich positionierte sich Gatz klar als Altbier. Eine Werbung aus den 1980er-Jahren sprach von \u201eherbw\u00fcrziger Frische\u201c und bezeichnete D\u00fcsseldorf ausdr\u00fccklich als Heimat von Gatzweilers Alt. Anders als bei Dieterich-Hoefel, wo Helles, Pilsener und Alt nebeneinander belegt sind, konnten wir f\u00fcr die gro\u00dfe Heerdter Gatzweiler-Produktion bislang keine vergleichbar breit dokumentierte Sortenpalette nachweisen. Belastbar belegt sind vor allem Gatzweilers Alt und zeitweise auch Schl\u00fcssel Alt, das ebenfalls in Heerdt produziert wurde.<\/p>\n<p>Auch das geh\u00f6rt zur Geschichte unserer Serie: D\u00fcsseldorf war zwar insgesamt eine Stadt mit erstaunlich vielf\u00e4ltiger Bierlandschaft, aber nicht jede Brauerei braute alles. Gatzweiler setzte sehr konsequent auf das oberg\u00e4rige Altbier \u2013 und machte genau damit Millionenums\u00e4tze.<\/p>\n<p>Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wuchs auch die Verbindung der Familie zur Stadtgesellschaft. Besonders Simon Gatzweiler engagierte sich stark im D\u00fcsseldorfer Brauchtum und unterst\u00fctzte unter anderem das Sch\u00fctzenwesen. Als er 1985 starb, war sein Name l\u00e4ngst mehr als nur der eines Brauereibesitzers. Bereits 1986 erhielt der Platz an der Pariser Stra\u00dfe und dem Heerdter Lohweg seinen Namen: Simon-Gatzweiler-Platz. Bis heute erinnert dieser Platz daran, dass dort einmal eine Familie wirkte, deren Unternehmen Heerdt wirtschaftlich und gesellschaftlich mitpr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Doch die Erfolgskurve hielt nicht ewig.<\/p>\n<p>Altbier geriet seit den sp\u00e4ten 1970er- und besonders in den 1980er- und 1990er-Jahren unter wachsenden Druck. Pils dominierte den deutschen Biermarkt immer st\u00e4rker. Trinkgewohnheiten \u00e4nderten sich, der Wettbewerb wurde h\u00e4rter und gro\u00dfe Brauereigruppen gewannen an Einfluss. Was jahrzehntelang wie eine sichere D\u00fcsseldorfer Institution gewirkt hatte, begann zu schrumpfen.<\/p>\n<p>Mitte der 1990er-Jahre brach der Absatz massiv ein. Die Familie entschied sich schlie\u00dflich f\u00fcr einen radikalen Schnitt: Die Gro\u00dfbrauerei in Heerdt wurde aufgegeben, w\u00e4hrend das Stammhaus Zum Schl\u00fcssel in der Altstadt in Familienbesitz blieb.<\/p>\n<p>1999 endete damit die eigenst\u00e4ndige Geschichte der Privatbrauerei Gatzweiler in Heerdt.<\/p>\n<p>Die Marke Gatzweilers Alt wurde an den Carlsberg-Konzern verkauft. Das Bier verschwand aber nicht sofort. Es wurde zun\u00e4chst bei Hannen in M\u00f6nchengladbach und sp\u00e4ter bei K\u00f6nigshof in Krefeld gebraut. 2022 wechselte die Marke erneut den Besitzer: Die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich \u00fcbernahm Gatz gemeinsam mit Hannen Alt.<\/p>\n<p>So existiert Gatz bis heute \u2013 aber nicht mehr als D\u00fcsseldorfer Brauerei.<\/p>\n<p>Das ehemalige Brauereigel\u00e4nde in Heerdt nahm unterdessen eine v\u00f6llig neue Gestalt an. Nachdem die Nutzung in den 1990er-Jahren aufgegeben worden war, begann die Stadt mit der st\u00e4dtebaulichen Neuordnung des Areals. Auf dem Kerngrundst\u00fcck der fr\u00fcheren Gatzweiler-Brauerei entstand schlie\u00dflich der Vodafone-Campus, der 2012 er\u00f6ffnet wurde.<\/p>\n<p>Der Kontrast k\u00f6nnte kaum gr\u00f6\u00dfer sein.<\/p>\n<p>Wo fr\u00fcher Malz angeliefert wurde, Sudkessel liefen und Lastwagen Bierkisten ausfuhren, stehen heute B\u00fcrogeb\u00e4ude eines Telekommunikationskonzerns. Wer den Campus passiert und die Geschichte nicht kennt, w\u00fcrde kaum vermuten, dass hier einmal 53 Millionen Liter Bier im Jahr produziert wurden.<\/p>\n<p>Nur wenige hundert Meter entfernt erinnert der Simon-Gatzweiler-Platz noch an den Namen. Und in der Altstadt lebt die andere H\u00e4lfte der Familiengeschichte weiter: Zum Schl\u00fcssel geh\u00f6rt bis heute der Familie Gatzweiler und braut wieder ausschlie\u00dflich dort sein eigenes Schl\u00fcssel Alt.<\/p>\n<p>Damit endet die Geschichte von Gatzweiler nicht einfach mit einer geschlossenen Fabrik. Sie teilt sich vielmehr in zwei Wege.<\/p>\n<p>Der eine f\u00fchrt zur\u00fcck in die Altstadt, zur kleinen Hausbrauerei und zum handwerklichen Schl\u00fcssel Alt.<\/p>\n<p>Der andere f\u00fchrt \u00fcber Gatz hinaus aus D\u00fcsseldorf \u2013 als Marke, deren Ursprung viele j\u00fcngere Biertrinker heute vielleicht gar nicht mehr kennen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine ganze Generation aber war Gatz etwas anderes.<\/p>\n<p>Es war das Bier auf dem Tisch beim Sch\u00fctzenfest. Das Schild \u00fcber der Stammkneipe. Die Reklame auf der Stra\u00dfenbahn. Der Kasten im Keller. Ein allt\u00e4glicher Begleiter, \u00fcber dessen Herkunft niemand nachdenken musste, weil selbstverst\u00e4ndlich war, dass Gatz aus D\u00fcsseldorf kam.<\/p>\n<p>Und genau deshalb wollen wir eure Erinnerungen.<\/p>\n<p>Wer hat noch die Brauerei in Heerdt erlebt? Wer selbst dort gearbeitet \u2013 oder Eltern, Gro\u00dfeltern, Nachbarn oder Freunde gehabt, die bei Gatzweiler besch\u00e4ftigt waren? Wer erinnert sich an die Bierwagen, die Abf\u00fcllung, den Geruch rund um die Brauerei oder an bestimmte Gatz-Kneipen?<\/p>\n<p>Und vielleicht schlummert irgendwo noch das, was wir besonders suchen: alte Flaschen, Gl\u00e4ser, Bierdeckel, Emailschilder, Werbeanzeigen, Fotos vom Werk oder Aufnahmen von Gatz-beschrifteten Stra\u00dfenbahnen.<\/p>\n<p>Zeigt sie uns.<\/p>\n<p>Denn Gatzweiler ist genau die Art D\u00fcsseldorfer Geschichte, die verschwinden kann, obwohl sich noch erstaunlich viele Menschen an sie erinnern.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #Gatzweiler #Gatz #Heerdt #Altbier #Brauereigeschichte #D\u00fcsseldorfDamals<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1539444888204346\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1539444888204346&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 GATZWEILER: ALS AUS EINER ALTBIERFAMILIE EINE DER GR\u00d6SSTEN BRAUEREIEN D\u00dcSSELDORFS WURDE Wer in D\u00fcsseldorf in den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren gro\u00df geworden ist, musste Gatzweiler nicht suchen. 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