{"id":35398,"date":"2026-10-12T15:00:38","date_gmt":"2026-10-12T13:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/12\/frankenheim-vom-zinterkloeske-zur-duesseldorfer-bierlegende-55076706\/"},"modified":"2026-10-12T15:00:38","modified_gmt":"2026-10-12T13:00:38","slug":"frankenheim-vom-zinterkloeske-zur-duesseldorfer-bierlegende-55076706","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/12\/frankenheim-vom-zinterkloeske-zur-duesseldorfer-bierlegende-55076706\/","title":{"rendered":"FRANKENHEIM: VOM ZINTERKL\u00d6SKE ZUR D\u00dcSSELDORFER BIERLEGENDE"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 FRANKENHEIM: VOM ZINTERKL\u00d6SKE ZUR D\u00dcSSELDORFER BIERLEGENDE<\/p>\n<p>Es gibt Namen, die in D\u00fcsseldorf fast wie eine Ortsangabe funktionieren. Frankenheim geh\u00f6rt dazu. Man denkt an Altbier, an die Wielandstra\u00dfe, an volle Tische, an Karneval, Stammtische und diese besondere Mischung aus Brauhaus und Nachbarschaft, die eine Stadt erst zu ihrer eigenen macht.<\/p>\n<p>Dabei begann die Geschichte wesentlich kleiner, als es die sp\u00e4tere Bedeutung der Marke vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>1873 richtete Braumeister Heinrich Frankenheim seine erste Braust\u00e4tte im sogenannten \u201eZinterkl\u00f6ske\u201c an der Hunsr\u00fcckenstra\u00dfe ein. Es war noch jene klassische D\u00fcsseldorfer Welt, in der Brauerei und Wirtschaft eng miteinander verbunden waren. Kein gewaltiger Industriebetrieb, sondern handwerkliches Brauen f\u00fcr G\u00e4ste, Nachbarschaft und eine Stadt, die gerade rasant wuchs.<\/p>\n<p>Das Bier kam an.<\/p>\n<p>Schon 15 Jahre sp\u00e4ter reichten die urspr\u00fcnglichen M\u00f6glichkeiten nicht mehr aus. 1888 erwarb Heinrich Frankenheim Grundst\u00fccke an der Wielandstra\u00dfe 12 bis 16, unweit des Wehrhahns. Dort entstanden eine neue Brauerei und ein Brauereiausschank. Die Wielandstra\u00dfe sollte f\u00fcr mehr als ein Jahrhundert zur eigentlichen Heimat Frankenheims werden.<\/p>\n<p>Und dort wurde vor allem eines gebraut: oberg\u00e4riges Bier.<\/p>\n<p>Alte Anzeigen sprechen schlicht von \u201eFrankenheim Oberg\u00e4rig\u201c. Das ist wichtig, denn die heute so selbstverst\u00e4ndliche Bezeichnung Altbier setzte sich erst nach und nach als klarer Sortenname durch. Frankenheim geh\u00f6rte zu jenen D\u00fcsseldorfer Brauereien, die die oberg\u00e4rige Tradition durch das industrielle Zeitalter hindurch bewahrten.<\/p>\n<p>Ein Bericht aus dem Jahr 1952 beschreibt Frankenheim ausdr\u00fccklich als eine der letzten echten D\u00fcsseldorfer Hausbrauereien jener Zeit. W\u00e4hrend gro\u00dfe Betriebe wie Dieterich-Hoefel, Schwabenbr\u00e4u oder die damalige Braugemeinschaft \u00fcberwiegend auch unterg\u00e4rige Biere produzierten, kam bei Frankenheim weiterhin das oberg\u00e4rige Bier aus dem eigenen Kessel.<\/p>\n<p>Das zeigt erneut, wie vielf\u00e4ltig D\u00fcsseldorf als Bierstadt einmal war.<\/p>\n<p>Es gab nicht einfach nur \u201eAlt\u201c. In den gro\u00dfen Brauereien der Stadt standen helle Lagerbiere, Pilsener, Export und andere unterg\u00e4rige Sorten neben den oberg\u00e4rigen D\u00fcsseldorfer Bieren. Frankenheim dagegen machte gerade das Oberg\u00e4rige zum Kern seiner Identit\u00e4t \u2013 und daraus entwickelte sich jenes Frankenheim Alt, das Generationen kennenlernten.<\/p>\n<p>Auch der Erste Weltkrieg hinterlie\u00df Spuren.<\/p>\n<p>1917 schlossen sich 24 kleinere Brauereien aus D\u00fcsseldorf und Neuss zur \u201eKriegsbraugemeinschaft der oberg\u00e4rigen Brauereien\u201c zusammen. Rohstoffknappheit und staatliche Eingriffe bedrohten viele kleine Betriebe. Gemeinsam wurde zeitweise in der Hirschbrauerei produziert, ohne dass die einzelnen Brauereien ihre Selbstst\u00e4ndigkeit verlieren sollten.<\/p>\n<p>Frankenheim geh\u00f6rte dazu.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter nahm die Brauerei den eigenen Betrieb wieder auf. Gerade das war keineswegs selbstverst\u00e4ndlich. Viele andere D\u00fcsseldorfer Hausbrauereien verschwanden in diesen Jahrzehnten, wurden \u00fcbernommen oder gingen in gr\u00f6\u00dferen Unternehmen auf.<\/p>\n<p>1915 hatte bereits Heinrich Frankenheims \u00e4ltester Sohn Peter die Brauerei \u00fcbernommen. Zwischen 1925 und 1928 wurden Brauerei und Ausschank erheblich erweitert. Der Gastraum erhielt eine aufwendige altdeutsche Gestaltung und entwickelte sich zu einem beliebten D\u00fcsseldorfer Treffpunkt.<\/p>\n<p>Das Stammhaus wurde damit mehr als eine Verkaufsstelle f\u00fcr Bier.<\/p>\n<p>Es wurde ein St\u00fcck Stadtleben.<\/p>\n<p>Wer dort ein Frankenheim bestellte, sa\u00df nicht in irgendeiner Gastst\u00e4tte. Man sa\u00df dort, wo das Bier selbst entstand. F\u00e4sser, Sudhaus, Ausschank und G\u00e4ste geh\u00f6rten zu einer einzigen Welt.<\/p>\n<p>Selbst eine kleine Geschichte aus dieser Zeit sagt viel \u00fcber die damalige Stadt aus. Heinrich Frankenheim soll gegen\u00fcber seinem Haus eine Platane und darunter einen Trinkbrunnen f\u00fcr die Pferde haben anlegen lassen. Damals geh\u00f6rten Pferdefuhrwerke noch selbstverst\u00e4ndlich zum Stra\u00dfenbild. Der Brauer dachte offenbar nicht nur an den Durst seiner G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Frankenheim blieb \u00fcber vier Generationen ein Familienunternehmen und entwickelte sich zu einer der bekanntesten D\u00fcsseldorfer Biermarken \u00fcberhaupt. Das Bier wurde l\u00e4ngst nicht mehr nur im eigenen Ausschank getrunken. Frankenheim-Schilder, Gl\u00e4ser und Reklame geh\u00f6rten irgendwann zum Stadtbild.<\/p>\n<p>Das klassische Frankenheim Alt besitzt heute 4,8 Prozent Alkohol und lebt geschmacklich von Malz- und R\u00f6staromen, einer vergleichsweise milden Art und einer zur\u00fcckhaltenden Hopfennote. Diese eher ausgewogene Charakteristik machte Frankenheim lange zu einer Art Gegenpol zu ausgesprochen herben D\u00fcsseldorfer Altbieren.<\/p>\n<p>Aber auch Frankenheim experimentierte sp\u00e4ter mit anderen Sorten.<\/p>\n<p>Besonders interessant ist das 2012 eingef\u00fchrte Frankenheim Blond. Die Brauerei bezeichnete es ausdr\u00fccklich als helles Altbier. Es wurde mit oberg\u00e4riger Altbierhefe gebraut, bekam seine deutlich hellere Farbe aber durch anders ger\u00f6stetes Malz. Damit reagierte Frankenheim schon damals auf einen Trend, der heute noch st\u00e4rker sichtbar ist: Viele j\u00fcngere Biertrinker greifen lieber zu milden und hellen Bieren.<\/p>\n<p>Gerade deshalb ist Frankenheim Blond f\u00fcr unsere Serie spannend.<\/p>\n<p>Denn es erinnert daran, dass \u201ehell\u201c und \u201eD\u00fcsseldorf\u201c keineswegs Gegens\u00e4tze sind. Zwar handelte es sich hier nicht um ein klassisches unterg\u00e4riges Helles, sondern um ein helles oberg\u00e4riges Altbier \u2013 aber die Idee zeigt, wie offen selbst eine traditionsreiche Altbiermarke gegen\u00fcber anderen Geschmacksbildern war.<\/p>\n<p>Hinzu kamen sp\u00e4ter Frankenheim Blue, eine Mischung aus 60 Prozent Altbier und 40 Prozent Cola, sowie zeitweise eine Grapefruit-Variante. Nicht jeder Traditionalist d\u00fcrfte dar\u00fcber begeistert gewesen sein, doch auch solche Produkte geh\u00f6ren zur vollst\u00e4ndigen Geschichte einer Brauerei.<\/p>\n<p>Der tiefste Einschnitt kam Anfang der 1990er-Jahre.<\/p>\n<p>Die Kapazit\u00e4ten an der Wielandstra\u00dfe reichten f\u00fcr das gewachsene Unternehmen nicht mehr aus. Die Produktion wurde nach Neuss-Holzheim verlegt; 1992 endete das Brauen im D\u00fcsseldorfer Stammhaus endg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kam das Frankenheim im Glas zwar noch immer aus einer D\u00fcsseldorfer Tradition \u2013 aber nicht mehr aus dem Kessel hinter der Wielandstra\u00dfe.<\/p>\n<p>2005 folgte die n\u00e4chste gro\u00dfe Ver\u00e4nderung. Nach mehr als 125 Jahren in Familienhand verkaufte Peter Frankenheim aus der vierten Generation die Mehrheitsanteile an die Warsteiner Brauerei.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2009 wurde schlie\u00dflich auch die Braust\u00e4tte in Neuss-Holzheim geschlossen.<\/p>\n<p>Seitdem wird Frankenheim Alt in Warstein gebraut.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche D\u00fcsseldorfer ist genau das bis heute ein wunder Punkt. Denn eine Biermarke kann ihren Namen, ihre Rezeptur und ihre Tradition behalten \u2013 aber der Ort, an dem das Bier entsteht, ist f\u00fcr viele Menschen ebenfalls Teil seiner Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Und trotzdem ist Frankenheim in D\u00fcsseldorf nie ganz verschwunden.<\/p>\n<p>Das Stammhaus an der Wielandstra\u00dfe existiert noch immer als Brauereiausschank. Dort, wo \u00fcber hundert Jahre tats\u00e4chlich gebraut wurde, wird noch heute Frankenheim Alt ausgeschenkt. Die Mauern, die R\u00e4ume und die Erinnerungen sind geblieben.<\/p>\n<p>Vielleicht ist genau das die eigentliche Frankenheim-Geschichte.<\/p>\n<p>Aus einer kleinen Braust\u00e4tte in der Hunsr\u00fcckenstra\u00dfe wurde eine der bekanntesten Biermarken D\u00fcsseldorfs. Aus einem Familienbetrieb wurde ein Unternehmen mit gro\u00dfer Reichweite. Aus \u201eFrankenheim Oberg\u00e4rig\u201c wurde Frankenheim Alt. Sp\u00e4ter kamen ein helles Altbier und moderne Biermischgetr\u00e4nke hinzu.<\/p>\n<p>Und irgendwann verschwand die Produktion aus der Stadt.<\/p>\n<p>Der Name aber blieb.<\/p>\n<p>Jetzt seid ihr gefragt: Wer hat noch im alten Frankenheim an der Wielandstra\u00dfe gesessen, als dort tats\u00e4chlich gebraut wurde? Wer erinnert sich an den typischen Geruch aus dem Sudhaus? Wer kannte Frankenheim Blond oder Blue? Und welche D\u00fcsseldorfer Kneipe geh\u00f6rt f\u00fcr euch untrennbar zu einem frisch gezapften Frankenheim?<\/p>\n<p>Schreibt eure Erinnerungen in die Kommentare.<\/p>\n<p>Denn bei dieser Serie geht es nicht nur darum, welche Brauereien D\u00fcsseldorf hatte.<\/p>\n<p>Es geht darum, wie sie geschmeckt, gerochen und sich angef\u00fchlt haben.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #Frankenheim #Altbier #Brauereigeschichte #D\u00fcsseldorfDamals #Wehrhahn #Bierkultur<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1537387955076706\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1537387955076706&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 FRANKENHEIM: VOM ZINTERKL\u00d6SKE ZUR D\u00dcSSELDORFER BIERLEGENDE Es gibt Namen, die in D\u00fcsseldorf fast wie eine Ortsangabe funktionieren. 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