{"id":35291,"date":"2026-10-08T12:30:06","date_gmt":"2026-10-08T10:30:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/08\/als-75-millionen-menschen-nach-duesseldorf-kamen-die-geso-lei-veraenderte-85473223\/"},"modified":"2026-10-08T12:30:06","modified_gmt":"2026-10-08T10:30:06","slug":"als-75-millionen-menschen-nach-duesseldorf-kamen-die-geso-lei-veraenderte-85473223","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/2026\/10\/08\/als-75-millionen-menschen-nach-duesseldorf-kamen-die-geso-lei-veraenderte-85473223\/","title":{"rendered":"ALS 7,5 MILLIONEN MENSCHEN NACH D\u00dcSSELDORF KAMEN: DIE GESO LEI VER\u00c4NDERTE\u2026"},"content":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 ALS 7,5 MILLIONEN MENSCHEN NACH D\u00dcSSELDORF KAMEN: DIE GESO LEI VER\u00c4NDERTE DIE STADT<\/p>\n<p>Wer heute an der Tonhalle entlang durch den Ehrenhof zum Kunstpalast oder weiter zu den Rheinterrassen l\u00e4uft, bewegt sich durch eine der sichtbarsten Hinterlassenschaften eines D\u00fcsseldorfs, das vor genau 100 Jahren zeigen wollte, wozu es wieder f\u00e4hig war.<\/p>\n<p>1926 wurde das Rheinufer f\u00fcr einige Monate zur B\u00fchne eines Ereignisses, dessen Dimension heute beinahe unglaublich klingt. Auf rund 400.000 Quadratmetern er\u00f6ffnete am 8. Mai die \u201eGro\u00dfe Ausstellung f\u00fcr Gesundheitspflege, soziale F\u00fcrsorge und Leibes\u00fcbungen\u201c \u2013 schon damals kurz GeSoLei genannt. Bis zum 15. Oktober kamen rund 7,5 Millionen Menschen aus Deutschland und dem Ausland. Damit war sie die gr\u00f6\u00dfte Ausstellung der Weimarer Republik.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: D\u00fcsseldorf hatte damals nur einen Bruchteil der heutigen Einwohnerzahl. Trotzdem str\u00f6mten innerhalb eines halben Jahres Millionen Menschen in die Stadt. Sie kamen wegen Medizin und Wissenschaft, Industrie und Kunst, Sport und Sozialpolitik \u2013 aber ebenso wegen Unterhaltung, Konsum und eines gro\u00dfen Vergn\u00fcgungsbereichs. Die GeSoLei war Fachausstellung, Leistungsschau, Volksfest und politische Selbstdarstellung zugleich.<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf brauchte dieses Ereignis auch f\u00fcr sein eigenes Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg lag erst acht Jahre zur\u00fcck. Die alliierte Besatzung des Rheinlands hatte die Stadt gepr\u00e4gt; erst 1925 endete die franz\u00f6sische Besatzung D\u00fcsseldorfs. Nun wollte man wieder Anschluss an die gro\u00dfe deutsche Ausstellungstradition finden und der Welt zeigen, dass die Stadt wirtschaftlich, kulturell und organisatorisch wieder da war. Die GeSoLei wurde zum gewaltigen Schaufenster dieses Anspruchs.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde D\u00fcsseldorf regelrecht umgebaut.<\/p>\n<p>Unter Leitung des Architekten Wilhelm Kreis entstand innerhalb erstaunlich kurzer Zeit ein monumentales Ensemble am Rhein. Zwischen 1925 und 1926 wurden die Bauten des Ehrenhofs, die Rheinterrasse und das damalige Planetarium errichtet. Letzteres kennen wir heute als Tonhalle. Rund 20 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler gestalteten Skulpturen, Mosaiken, Wandbilder und Glasarbeiten f\u00fcr das Gel\u00e4nde. Vieles davon ist noch immer vorhanden.<\/p>\n<p>Wer also heute am Ehrenhof steht, betrachtet nicht einfach sch\u00f6ne Architektur der 1920er-Jahre. Er steht mitten in einem hundert Jahre alten Ausstellungsgel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Das heutige NRW-Forum, Teile des Kunstpalastes, die Tonhalle und die Rheinterrasse geh\u00f6ren zu diesem Erbe. N\u00f6rdlich davon erstreckten sich zahlreiche weitere Hallen und Pavillons bis in Bereiche des heutigen Rheinparks. Anders als die repr\u00e4sentativen Dauerbauten waren viele dieser Geb\u00e4ude von Anfang an nur f\u00fcr die Ausstellung gedacht und verschwanden anschlie\u00dfend wieder.<\/p>\n<p>Genau diese verschwundene Stadt l\u00e4sst sich derzeit noch einmal besonders eindrucksvoll sehen. Das D\u00fcsseldorfer Stadtarchiv zeigt gemeinsam mit dem LVR-Zentrum f\u00fcr Medien und Bildung historische Fotografien von Julius S\u00f6hn, der den Aufbau der GeSoLei dokumentierte. Zu sehen sind nicht nur fertige Prachtbauten, sondern Baustellen, Ger\u00fcste und die Entstehung einer Landschaft, die f\u00fcr wenige Monate wie eine eigene Stadt in der Stadt wirkte. Die Ausstellung l\u00e4uft noch bis zum 15. Oktober.<\/p>\n<p>Doch wer die GeSoLei heute nur als glanzvolle Erfolgsgeschichte erz\u00e4hlt, erz\u00e4hlt nur die halbe Wahrheit.<\/p>\n<p>Denn das Jubil\u00e4um zwingt auch zu einem kritischeren Blick auf das Jahr 1926.<\/p>\n<p>Die Ausstellung versprach Gesundheit, Fortschritt und eine bessere Gesellschaft. Hinter diesen Begriffen standen jedoch Vorstellungen, die aus heutiger Sicht teilweise h\u00f6chst problematisch sind. Das von der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t erforschte Programm der GeSoLei umfasste Themenbereiche wie \u201eKolonialhygiene\u201c, \u201eRassenhygiene\u201c, \u201eDie Frau\u201c und \u201eHygiene der Juden\u201c. Gesundheit wurde nicht allein als pers\u00f6nliche Frage verstanden, sondern mit Vorstellungen eines gesunden gesellschaftlichen oder nationalen K\u00f6rpers verbunden.<\/p>\n<p>Die Veranstalter sprachen sogar vom \u201eWiederaufbau des deutschen Menschen\u201c. Deutschland sollte nach Krieg, Niederlage und Besatzungszeit wieder St\u00e4rke demonstrieren. Wissenschaft, Medizin und Sozialpolitik standen dabei neben nationalem Selbstbehauptungswillen. Gleichzeitig fanden auch eugenische und koloniale Vorstellungen ihren Platz in dieser Fortschrittsschau.<\/p>\n<p>Das macht die GeSoLei heute historisch so spannend.<\/p>\n<p>Sie war weder einfach ein Vorl\u00e4ufer einer modernen Gesundheitsmesse noch bereits eine nationalsozialistische Propagandaveranstaltung. Sie war ein Spiegel der widerspr\u00fcchlichen Weimarer Republik: demokratischer Aufbruch und gesellschaftlicher Fortschritt standen neben Nationalismus, kolonialem Denken, Eugenik und Vorstellungen von gesellschaftlicher Auslese. Genau diese Widerspr\u00fcche untersucht derzeit ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das Stadtmuseum greift diese Forschung zum Jubil\u00e4um auf.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u201e100 Jahre GeSoLei \u2013 Forschen, Entdecken, Verstehen\u201c werden Gem\u00e4lde, Skulpturen, Fotografien, Filme, Grafiken und Archivalien gezeigt. Die Ausstellung will ausdr\u00fccklich nicht nur feiern, sondern fragen, was damals unter Gesundheit, Fortschritt, Gesellschaft und Normalit\u00e4t verstanden wurde \u2013 und welche Vorstellungen davon wir heute anders beurteilen. Sie l\u00e4uft bis zum 3. Januar 2027.<\/p>\n<p>Und vielleicht ist genau das der faszinierendste Teil dieser Geschichte:<\/p>\n<p>Die GeSoLei ist gleichzeitig verschwunden und \u00fcberall noch da.<\/p>\n<p>Die meisten Pavillons existieren l\u00e4ngst nicht mehr. Millionen Besucher sind nur noch Statistik. Das Vergn\u00fcgungsviertel ist verschwunden. Die politischen und medizinischen Vorstellungen von damals wirken teilweise befremdlich.<\/p>\n<p>Doch wer heute ein Konzert in der Tonhalle besucht, im Kunstpalast eine Ausstellung sieht, vor dem NRW-Forum sitzt oder auf der Terrasse am Rhein ein Alt trinkt, nutzt Geb\u00e4ude, die ohne diesen gigantischen Sommer 1926 vermutlich nicht so dort stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf tr\u00e4gt die GeSoLei bis heute im Stadtbild.<\/p>\n<p>Und zum Jubil\u00e4um kann man diese Geschichte sogar an mehreren Orten gleichzeitig entdecken:<\/p>\n<p>100 JAHRE GESO LEI \u2013 FORSCHEN, ENTDECKEN, VERSTEHEN<\/p>\n<p>Stadtmuseum D\u00fcsseldorf<br>\nBerger Allee 2<br>\nbis 3. Januar 2027<\/p>\n<p>DER AUFBAU DER GESO LEI \u2013 FOTOGRAFIEN VON JULIUS S\u00d6HN<\/p>\n<p>Stadtarchiv D\u00fcsseldorf<br>\nWorringer Stra\u00dfe 140<br>\nnoch bis 15. Oktober 2026<\/p>\n<p>SPOT ON: 100 JAHRE GESO LEI<\/p>\n<p>Kunstpalast<br>\nEhrenhof 4\u20135<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es am Dienstag, 13. Oktober, um 18.30 Uhr im Kunstpalast ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Wilhelm Kreis als Architekten und Ausstellungsmacher der GeSoLei.<\/p>\n<p>Und jetzt interessiert uns eure Erinnerung: Wer wusste, dass Tonhalle, Ehrenhof und Rheinterrasse unmittelbar mit der GeSoLei zusammenh\u00e4ngen? Gibt es in euren Familien vielleicht sogar noch alte Fotos, Postkarten, Eintrittskarten oder Erz\u00e4hlungen von 1926?<\/p>\n<p>Schaut einmal in alte Fotoalben und Schubladen.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt irgendwo noch ein kleines St\u00fcck jener Monate, in denen halb Deutschland scheinbar nach D\u00fcsseldorf unterwegs war.<\/p>\n<p>#D\u00fcsseldorf #D\u00fcsseldorf4You #DUS4YOU #GeSoLei #Stadtgeschichte #Ehrenhof #Tonhalle #Kunstpalast #D\u00fcsseldorfDamals<\/p>\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/1290553509760153\/posts\/1533422785473223\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag auf Facebook ansehen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"d4yni-embed d4yni-embed-fbpost\"><div class=\"d4yni-embed-inner\"><iframe src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F1290553509760153%2Fposts%2F1533422785473223&#038;show_text=false&#038;width=500\" width=\"500\" height=\"680\" style=\"border:none;overflow:hidden\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; clipboard-write; encrypted-media; picture-in-picture; web-share\"><\/iframe><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u261d\ufe0f\ud83e\udef5\ud83d\udc49 ALS 7,5 MILLIONEN MENSCHEN NACH D\u00dcSSELDORF KAMEN: DIE GESO LEI VER\u00c4NDERTE DIE STADT Wer heute an der Tonhalle entlang durch den Ehrenhof zum Kunstpalast oder weiter zu den Rheinterrassen l\u00e4uft, bewegt sich durch eine der sichtbarsten Hinterlassenschaften eines D\u00fcsseldorfs, das vor genau 100 Jahren zeigen wollte, wozu es wieder f\u00e4hig war. 1926 wurde das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":35292,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-35291","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-duesseldorf4you","d4yni-imported"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35291","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35291"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35291\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35291"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35291"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dus4you.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35291"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}